21. Juni 2020 - 2. Sonntag nach Trinitatis

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Pfarrer Martin Schwerdtfeger - Lektor: Helmut Gerisch

Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Matthäus 11,28

Mit dem Wochenspruch aus Matthäus 11 begrüße ich Sie zum Gottesdienst aus der Pauluskirche am 2. Sonntag nach Trinitatis.

Eröffnung

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.

Der Psalm dieses Sonntages ist der 36. Psalm:

Psalm 36, 6-10

HERR, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist,

und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.

Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge Gottes

und dein Recht wie die große Tiefe.

HERR, du hilfst Menschen und Tieren.

Wie köstlich ist deine Güte, Gott,

dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben!

Sie werden satt von den reichen Gütern deines Hauses,

und du tränkst sie mit Wonne wie mit einem Strom.

Denn bei dir ist die Quelle des Lebens,

und in deinem Lichte sehen wir das Licht.

 

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Lied: Gelobt sei deine Treu [EG.E 16]

Lesung Jesaja, 55, 1-5

Die Lesung steht im Buch des Propheten Jesaja, Kapitel 55, die Verse 1-5:

Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch!

Warum zählt ihr Geld dar für das, was kein Brot ist, und euren sauren Verdienst für das, was nicht satt macht? Hört doch auf mich, so werdet ihr Gutes essen und euch am Köstlichen laben. Neigt eure Ohren her und kommt her zu mir! Höret, so werdet ihr leben!

Ich will mit euch einen ewigen Bund schließen, euch die beständigen Gnaden Davids zu geben. Siehe, ich habe ihn den Völkern zum Zeugen bestellt, zum Fürsten für sie und zum Gebieter. Siehe, du wirst Völker rufen, die du nicht kennst, und Völker, die dich nicht kennen, werden zu dir laufen um des HERRN willen, deines Gottes, und des Heiligen Israels, der dich herrlich gemacht hat.

Halleluja. Herzlich lieb habe ich dich, HERR, meine Stärke! HERR, mein Fels, meine Burg, mein Erretter; mein Gott, mein Hort, auf den ich traue, mein Schild und Horn meines Heils und mein Schutz! Halleluja.

Predigt

Die Gnade Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Matthäus 11,28-30

Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

Liebe Gemeinde,

ein Freund hat mir einmal einen kleinen Packesel aus Holz geschenkt. Lange Stäbe waren dabei, die man dem Tier auf den Rücken stapeln konnte. Mit Ruhe und Geschick ließ sich eine große Zahl von Stäben neben- und aufeinander legen. Esel können viel tragen. Aber irgendwann hielt die Statik nicht mehr und alles rutschte herunter.

Esel gelten als störrisch, weil sie manchmal keinen Schritt mehr gehen wollen. Aber eigentlich merken sie nur, wann es zu viel wird.

Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid.

Bei uns Menschen sind die Lasten ungleich verteilt. Manche gehen unbeschwert durchs Leben. Oft gelingt ihnen, was sie sich vornehmen. Sie finden Freunde, fühlen sich mit oder ohne Familie wohl, erledigen ihre Aufgaben, finden Zeit für Schönes. Andere drücken Krankheiten und Sorgen. Das Leben fordert sie. Jeder Tag strengt an. Manchmal sind sie überfordert.

Das ist deutlich zu spüren – oder sie merken es gar nicht und werden plötzlich ausgebremst, weil der Körper und die Seele nicht mehr mitmachen und ein Infarkt, eine Depression oder ein Burnout sie stoppen.

Mühselig und beladen.

Wie viel halten wir aus? Wie viel wollen und können wir tragen?

Ich erinnere mich an ein Plakat von Misereor oder Brot für die Welt. Es zeigt ein Mädchen in Asien, vielleicht acht oder zehn Jahre alt, das huckepack einen kleinen Jungen trägt. Die Bildunterschrift lautet: „Ich trage keine Last. Ich trage meinen Bruder.“

Für sie ist es selbstverständlich, den jüngeren Bruder zu tragen, wenn er nicht mehr laufen kann. In der Familie ist einer für den anderen da. Und das gilt ja für viele Menschen in vielen Situationen – anderen zu helfen und ihnen etwas abzunehmen, wenn es für sie allein beschwerlich wäre.

So helfen Freunde und Freundinnen beim Umzug. So funktioniert unser Sozialsystem, weil es vielfach Nachbarschaftshilfe gibt. So engagieren sich viele ehrenamtlich und vermindern Belastungen für Mensch und Umwelt.

Und doch bleiben Mühselige und Beladene übrig, denen das Leben schwer wird, so dass sie kaum Luft bekommen. Ihr Rücken oder ihr Nacken schmerzt. Ihre Seele ist betrübt.

Die lädt Jesus ein. „Kommt zu mir! Ich will euch erquicken“ – also: erfrischen, erleichtern. „Ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen.“

Immer wieder wir in den Evangelien erzählt, wie heilsam Jesus Menschen begegnet und ihnen Angst, Trauer und Schmerzen nimmt. Er berührt sie mit seinen Händen und seinen Worten, schenkt ihnen neue Luft. Er verzeiht, wo sie Schuld auf sich geladen haben und gibt ihnen Zutrauen in ihren Glauben und ihre Möglichkeiten: Steh auf! Deine Sünden sind dir vergeben. Gebt ihr ihnen zu essen. Verkündet das Evangelium und vertreibt die Ängste!

Und er gibt ihnen mit auf den Weg: Mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

Bauern in Asien tragen manchmal noch mit einem Joch, an das zwei Körbe gehängt sind, Reis oder Gemüse zum Markt. Das Joch verteilt die Last auf die Schultern. Dadurch brauchen sie das Gewicht nicht nur mit den Armen zu tragen. Der Rücken und der ganze Körper tragen mit. Dieses Joch ist der Form der Schultern angepasst. Es drückt nicht an einer Stelle. Dazu kann es abgepolstert werden.

Und wenn Jesus einlädt, mit ihm zu gehen, es also mit dem Glauben zu versuchen, mit Gott zu leben, dann heißt das, die Belastungen Gott anzuvertrauen und dann gut verteilt zu meistern.

„Mein Joch ist sanft“, das bedeutet dann: Ich will dir helfen, dass du deine Belastungen tragen kannst. Vielleicht brauchst du gar nicht alles selber zu tragen, was du dir aufbürdest. Vielleicht kannst du etwas ablegen. Probier aus, wieviel geht und wieviel jetzt dran ist. Vielleicht sind ein paar Lasten gar nicht für dich bestimmt. Überfordere dich nicht. Ich erwarte von dir nicht mehr, als du bewältigen kannst. „Mein Joch ist sanft, meine Last ist leicht.“ Achte auf deinen Atem. Gönne dir Pausen.

Ich höre das als ein freundliches Angebot. Und es macht eine Gemeinde oder auch einen Betrieb menschlicher, wenn wir so miteinander umgehen und darauf achten, wie viel andere zu tragen haben, und unsere Hilfe anbieten.

Aber es soll ein Angebot bleiben. – Anderen einfach Arbeit aus der Hand zu nehmen, bedeutet, sie nicht ernst zu nehmen. Kinder von altgewordenen Eltern sind oft in dieser Versuchung. Doch es nimmt Selbständigkeit. Und etwas Sinnvolles zu tun, stiftet Sinn.

Jesus verbindet seine Zusage der Erquickung mit dem sanften Joch, das uns beim Tragen helfen soll. Er nimmt uns unsere Aufgaben nicht weg, sondern traut uns viel zu.

Dann muss es keine Last sein, den Bruder oder die Schwester zu tragen. Dann ist es einfach gelebtes Leben. Amen.

Lied: Ich bin das Brot, lade euch ein [EG.E 11]

Wir beten:

Stimmen Sie in die Bitten mit ein mit dem Gebetsruf: Erbarme dich, Gott!

In unserer gnadenlosen Welt leiden und verzweifeln viele Menschen, weil ihnen andere Hab und Gut, Entfaltungsraum, Gesundheit und Freiheit rauben. Wer Macht hat setzt sich durch. Aber Recht muss doch Recht bleiben und Menschenwürde Menschenwürde.

Wir rufen zu dir: Erbarme dich, Gott!

Viele Menschen werden bei uns abgeurteilt und abgeschoben. Niemand gibt ihnen mehr eine Chance. Das geht alten Menschen ebenso wie jungen. Sie alle brauchen Menschen, die ihnen zuhören und für sie da sind, Menschen, die ihnen etwas zutrauen.

Wir rufen zu dir: Erbarme dich, Gott!

Schenke uns Menschen, die freundlich und verständnisvoll mit uns umgehen, die uns aber auch die Wahrheit nicht vorenthalten. Wir bitten dich um ein offenes und faires Miteinander.

Wir rufen zu dir: Erbarme dich, Gott!

Mache uns zu Menschen, bei denen man sich zuhause fühlt. Hilf uns, barmherzig zu sein und weiterzugeben von all dem Guten, das du uns schenkst. Du sendest uns, damit wir einander zum Leben helfen. Schenke uns die Kraft und Liebe dazu.

Wir rufen zu dir: Erbarme dich, Gott!

Wir bringen die Menschen vor dich, die uns am Herzen liegen und beten für sie in der Stille.

--- Stille ---

Wir rufen zu dir: Erbarme dich, Gott!

Wir danken dir, dass du uns liebevoll anblickst. Du bist barmherzig, geduldig mit uns und gütig. Amen.

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Gehet hin im Frieden des Herrn.

Gott segne dich und behüte dich!

Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir
und sei dir gnädig.

Gott hebe sein Angesicht auf dich
und gebe dir Frieden.

Amen.

Lied: Gelobt sei deine Treu [EG.E 16, 1-3]

1. Gelobt sei deine Treu, die jeden Morgen neu uns in den Mantel deiner Liebe hüllt, die jeden Abend wieder, wenn schwer die Augenlider, das schwache Herz mit Frieden füllt.

2. Wir wolln dem Namen dein im Herzen still und fein lobsingen und auch laut vor aller Welt. Nie hast du uns vergessen, schenkst Gaben unermessen, tagtäglich deine Hand uns hält.

3. Kleidung und Brot gibst du, der Nächte Ruh dazu, und stellst am Morgen über jedes Dach das Taggestirn, das helle; und mit der güldnen Welle des Lichts nimmst du das Ungemach.

Text: Gerhard Fritzsche 1938, Melodie: Johannes Petzold 1938

Lied: Ich bin das Brot, lade euch ein [EG.E 11]

1. Ich bin das Brot, lade euch ein. So soll es sein, so soll es sein! Brot lindert Not. Brecht es entzwei. So soll es sein, so soll es sein. Kyrie eleison, Christe eleison, Kyrie eleison.

2. Ich bin die Quelle, schenk mich im Wein. So soll es sein, so soll es sein! Schöpft aus der Fülle, schenkt allen ein. So soll es sein, so soll es sein. Kyrie eleison, Christe eleison, Kyrie eleison.

3. Nehmt hin das Brot, trinkt von dem Wein. So soll es sein, so soll es sein! Wenn ihr das tut, will ich bei euch sein. So soll es sein, so soll es sein. Kyrie eleison, Christe eleison, Kyrie eleison.

Text: Clemens Bittlinger 1988, Melodie: David Plüss 1988