2. Sonntag n. Epiphanias - 17. Januar 2021

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Pfarrer Martin Schwerdtfeger - Lektorin: Sabine Gördes

Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. Johannes 1,16

Herzlich willkommen zum Gottesdienst am 2. Sonntag nach Epiphanias!

Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.

Psalm 105, 1-8

Dankt dem HERRN! Ruft seinen Namen aus!

Verkündet seine Taten unter den Völkern!

Singt für ihn, musiziert für ihn!

Sprecht über alle seine Wunder!

Seid stolz auf seinen heiligen Namen!

Von Herzen sollen sich alle freuen,

die den HERRN suchen!

Fragt nach dem HERRN und seiner Macht!

Kommt vor sein Angesicht zu jeder Zeit!

Denkt an seine Wunder, die er getan hat,

an seine Zeichen und Urteilssprüche –

ihr Nachkommen Abrahams, der ihm diente,

ihr Kinder Jakobs, die er erwählt hat.

Er allein ist der HERR, unser Gott!

Seine Gesetze gelten im ganzen Land.

Er hält sich für immer an seinen Bund.

Tausend Generationen gab er sein Wort. Amen. 

Wir beten:

Guter Gott, wir kommen zu dir mit allem, was uns beschäftigt. Wir bringen schöne Erinnerungen mit. Und manches liegt uns schwer auf dem Herzen. Wir bitten dich: Lass uns jetzt etwas von deiner Nähe spüren in Worten und Liedern. Lass uns erkennen, was deine Pläne für uns sind. So beten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, der als einer von uns gelebt hat und durch den Heiligen Geist bei uns ist bis ans Ende der Welt. Amen.

Lesung 2. Mose 33, 18-23

Und Mose sprach: Lass mich deine Herrlichkeit sehen!

Und Gott sprach: Ich will vor deinem Angesicht all meine Güte vorübergehen lassen und will ausrufen den Namen des Herrn vor dir:

Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig, und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich. Und er sprach weiter: Mein Angesicht kannst du nicht sehen; denn kein Mensch wird leben, der mich sieht.

Und der Herr sprach weiter: Siehe, es ist ein Raum bei mir, da sollst du auf dem Fels stehen. Wenn dann meine Herrlichkeit vorübergeht, will ich dich in die Felskluft stellen und meine Hand über dir halten, bis ich vorübergegangen bin. Dann will ich meine Hand von dir tun, und du darfst hinter mir her sehen; aber mein Angesicht kann man nicht sehen.

Halleluja. Meine Seele soll sich rühmen des Herrn, dass es die Elenden hören und sich freuen. Halleluja.

Predigt

Die Gnade Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Johannes 2,1-11

Am dritten Tag fand in Kana in Galiläa eine Hochzeit statt. Auch die Mutter von Jesus nahm daran teil. Jesus und seine Jünger waren ebenfalls zur Hochzeitsfeier eingeladen.

Während des Festes ging der Wein aus. Da sagte die Mutter von Jesus zu ihm: »Sie haben keinen Wein mehr!«

Jesus antwortete ihr: »Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.« Doch seine Mutter sagte zu den Dienern: »Tut alles, was er euch sagt!«

Dort gab es auch sechs große Wasserkrüge aus Stein. Die Juden benötigten sie, um sich zu reinigen. Jeder Krug fasste zwei bis drei Eimer.

Jesus sagte zu den Dienern: »Füllt die Krüge mit Wasser.« Die füllten sie bis zum Rand. Dann sagte er zu ihnen: »Schöpft jetzt etwas heraus und bringt es dem Festmeister.«

Sie brachten es ihm. Als der Festmeister einen Schluck davon trank, war das Wasser zu Wein geworden. Er wusste natürlich nicht, woher der Wein kam. Aber die Diener, die das Wasser geschöpft hatten, wussten Bescheid.

Da rief der Festmeister den Bräutigam zu sich und sagte zu ihm: »Jeder andere schenkt zuerst den guten Wein aus. Und wenn die Gäste dann angetrunken sind, folgt der weniger gute. Du hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten.«

Das war das erste Zeichen. Jesus vollbrachte es in Kana in Galiläa. Er machte damit seine Herrlichkeit sichtbar und seine Jünger glaubten an ihn.

Liebe Gemeinde,

vor drei Wochen haben wir noch Weihnachten gefeiert in kleinerem Rahmen als üblich und wohl auch etwas stiller. Vielleicht haben Sie deshalb die vertrauten Worte des Engels neu gehört: „Fürchtet euch nicht! Euch ist der Heiland geboren. Nun soll es werden Frieden auf Erden.“

Gott ist Mensch geworden. Er begegnet uns in einem Kind.

Das Johannesevangelium erzählt nun vom erwachsenen Jesus. Am ersten Tag wird er getauft und der Täufer sagt: „Er ist der Sohn Gottes.“ Am zweiten Tag sammelt Jesus einige Jünger um sich. Und am dritten Tag rettet Jesus ein Hochzeitsfest und seine Jünger glauben an ihn.

Der dritte Tag – schon zu Beginn ein Hinweis auf Ostern, auf die Auferstehung Jesu.

 

Jesus und seine Jünger nehmen also an einer Hochzeitsfeier teil. Ein Fest für zwei Menschen, die nun miteinander leben werden, mit Verwandtschaft, Freunden und Nachbarn. Das Leben wird gefeiert – mit gutem Essen und Wein, mit Musik und Tanz. Ein fröhliches Fest.

Aber – der Wein geht aus. Ein Planungsfehler in der Vorbereitung? Oder sind mehr Gäste gekommen als gedacht? Ist der Durst besonders groß?

Das Fest droht zum Reinfall zu werden. Ohne Wein bleibt nur noch Wasser und die große Enttäuschung ist abzusehen.

Maria, Jesu Mutter, denkt praktisch und fordert ihren Sohn auf zu helfen. Der will sich eigentlich nichts mehr sagen lassen und blafft Maria an. – Heranwachsende möchten irgendwann erwachsen sein. – Aber Maria trägt den Dienern noch auf: „Tut alles, was er euch sagt!“

Und obwohl Jesus mit Wundern keinen Eindruck schinden will, obwohl er seine Mutter barsch zurückgewiesen hat, rettet er das Fest, aber ohne die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Das Wasser, das für die rituelle Reinigung bereitsteht, wird zu Wein, zu besonders gutem Wein. Den gibt es doch sonst zu Beginn eines Festes und nicht, wenn die Gäste schon angetrunken sind und ihn kaum noch zu würdigen wissen…

Und seine Jünger glauben an ihn.

 

Dies war das erste Zeichen. – Ein Zeichen für Jesus Herrlichkeit, für seine besondere Nähe zu Gott.

Insgesamt führt das Johannesevangelium sieben Zeichen auf: das Weinwunder und ein Brotwunder, die Heilung des Sohnes eines königlichen Beamten und des Gelähmten am Teich Bethesda, die Heilung eines Blindgeborenen und Jesu Seewandel und schließlich die Auferweckung des Lazarus.

Sieben Zeichen, sieben Schöpfungstage, sieben Siegel am Buch des Lebens. Damit ist alles gesagt: Jesus ist Gottes Sohn. Und damit ist Gott wirklich bei uns.

 

Für uns weckt das Bild einer Hochzeit im Moment nicht nur schöne Gefühle. „Sie haben keinen Wein mehr“ – das erinnert uns an viele ausgefallenen Feiern im letzten Jahr. Konfirmationen konnten nicht stattfinden, Taufen und Hochzeiten mussten verschoben werden. Wir hoffen auf das Frühjahr und den Sommer, auf Bedingungen, die es wieder möglich machen, miteinander zu feiern.

Viele haben Musik und Tanz schmerzlich vermisst, Austausch und Begegnung, Nähe und Umarmung. Es ist wunderbar, dass die Impfungen inzwischen begonnen haben, doch eine Zeit lang müssen wir noch warten auf unbeschwertes Feiern.

Doch das Beste kommt zuletzt. Der neue Wein in den großen Wasserkrügen hat höchste Qualität. Und das Bild von der Hochzeit steht im Neuen Testament für das Reich Gottes. In der Begegnung mit Jesus werden Einschränkung und Mangel überwunden, da soll das Fest fröhlich und in guter Gemeinschaft beginnen.

Brot und Wein im Abendmahl weisen darauf hin. Und auch in unserem Alltag können wir Gottes Nähe erleben und uns freuen auf das Fest, zu dem er einlädt. Mir macht es Mut, wenn Freunde mir schreiben und von ihrem Leben erzählen und damit zeigen, wir denken an dich. Mir hilft es, wenn eine Krankenschwester aus dem Bodelschwingh-Haus anruft und mich bittet eine Bewohnerin zu besuchen. Ich freue mich, wenn in der offenen Kirche die Kerzen brennen und leise Musik erklingt und am Rande ein Gespräch möglich wird.

Wer sich selbst und sein Leben aus dieser Freude heraus versteht, der wird die vielen Probleme und Pannen in der Welt und in der Gegenwart und auch im eigenen Leben nicht ausblenden. Ganz gewiss nicht, eher im Gegenteil: Für den, der von der Freude und von dem Fest des Lebens herkommt und der deshalb guten Mutes ist, für den werden die Nöte des Alltags ganz gewiss nicht nebensächlich, sondern noch viel gewichtiger. Denn der weiß: An der Freude oder gar an dem Fest von Kana gemessen, bleibt für ihn noch viel zu tun.

Egal, welcher schwierigen Situation ich gegenüberstehe, sie kann doch zum Hilferuf an mich werden und mich herausfordern – deutlich und unüberhörbar. Und in der Gemeinde finde ich Unterstützung. Da sind Menschen, die zuhören können und trösten. Andere sind kreativ und können gestalten. Wir diskutieren und finden Lösungen. Und gemeinsam beten wir füreinander.

Das Beste kommt noch. Darauf bin ich gespannt.

Amen.

Fürbitten

Guter Gott, du bist nicht weit entfernt im Himmel. Dein Himmel zeigt sich auch mitten in unserer Welt. Wir bitten dich für alle, die keine schönen Seiten mehr in ihrem Leben sehen können. Gib du ihnen neue Hoffnung.

Wir bitten dich für alle, denen nicht zum Feiern zumute ist; die einsam und unglücklich sind. Schicke ihnen Menschen, die ihre Einsamkeit durchbrechen. 

Wir bitten dich für alle, von deren Not wir in den Nachrichten hören. Sei du bei Menschen, die unter Krieg und Naturkatastrophen leiden. Mach du die Verantwortlichen mutig und klug, damit sie Schwachen und Armen helfen.

Wir bitten dich für uns: Gib uns offene Augen für die Menschen, die uns brauchen. Hilf uns, ihnen von Himmelsmomenten zu erzählen.

Wir beten weiter in Stille …

Guter Gott, du weißt, was uns bedrückt. Du kennst auch das, was uns fröhlich macht. Lass alles in deiner Liebe aufgehoben sein. Amen.

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich!

Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir
und sei dir gnädig.

Der Herr hebe sein Angesicht auf dich
und gebe dir Frieden. Amen.