2. Advent - 06. Dezember 2020

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Prädikant Matthias Mladek - Lektorin: Britta Hermes

Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen. (Mt 5, 7)

Mit dem biblischen Votum für den Gedenktag des Bischofs Nikolaus von Myra aus dem 5. Kapitel des Matthäusevangeliums begrüße ich Sie herzlich zum Gottesdienst am 06. Dezember hier in der Pauluskirche.

An diesem Sonntag fallen der Gedenktag des Bischofs Nikolaus von Myra und der 2. Adventssonntag aufeinander. Der Wochenspruch aus Lukas 21 lautet:

Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht. (Lk 21, 28b)

Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.

Psalmgebet nach Psalm 24

Wir sprechen dabei den Kehrvers

„Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch!“ gemeinsam und beginnen auch mit dem Kehrvers:

 

Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch!

Öffnet Eure Ohren, damit Ihr gute Nachrichten hören könnt

Gott kommt auf die Erde.

Er schenkt sich uns im Jesuskind in der Krippe.

 

Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch!

Öffnet Eure Augen,

damit ihr sehen könnt,

was Jesus uns und aller Welt schenkt.

Licht und Liebe, Gemeinschaft und Frieden.

 

Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch!

Öffnet Eure Herzen, damit ihr seht,

was die Menschen um Euch herum brauchen.

Freundlichkeit und Liebe,

weite Herzen und helfende Hände

Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch!

 

Ehre sei dem Vater und dem Sohn

und dem heiligen Geist,

wie es war im Anfang,

jetzt und immerdar

und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen

Tagesgebet

Guter Gott.

Wir danken Dir für Menschen, die sich um andere kümmern,

so wie der Bischof Nikolaus von Myra,

dem wir heute gedenken.

 

Er hat geteilt und weitergegeben:

Brot, Zeit, Hoffnung und deine gute Nachricht.

Er war ein Zeuge deiner Liebe.

 

Gott, wir bitten Dich:

Hilf uns,

in der Nachfolge solcher Glaubenszeugen

selbst deine Liebe weiterzugeben.

 

Das bitten wir Dich

durch Jesus Christus,

unsern Bruder.

G:Amen

Lesung Jesaja 61, 1-2 + 10

Der Geist Gottes des Herrn ist auf mir, weil der Herr mich gesalbt hat.

Er hat mich gesandt, den Elenden gute Botschaft zu bringen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, zu verkündigen den Gefangenen die Freiheit, den Gebundenen, dass sie frei und ledig sein sollen;

zu verkündigen ein gnädiges Jahr des Herrn und einen Tag der Rache unsres Gottes, zu trösten alle Trauernden.

Ich freue mich im Herrn, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn er hat mir die Kleider des Heils angezogen und mich mit dem Mantel der Gerechtigkeit gekleidet, wie einen Bräutigam mit priesterlichem Kopfschmuck geziert und wie eine Braut, die in ihrem Geschmeide prangt.

Amen

Predigt

Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt.“ 

Amen.

 

Nikolaus war Bischof in Myra, einer Hafenstadt. Sie liegt in der heutigen Türkei...

 

Die Hitze wurde immer unerträglicher,

seit Monaten hatte es nicht mehr geregnet...

Einfach unerträglich diese Hitze, diese Dürre...

Die Erde auf den Feldern, hart wie Beton,

tiefe Furchen und kein bisschen grün...

Die Menschen hatten Hunger,

die Kinder weinten, so schmerzten ihre leeren Bäuche

Kaum ein Mensch hatte noch Hoffnung...

Und die Sonne, sie brannte so unerbittlich,

Tag für Tag

Und die Nächte, sie brachten keinerlei Abkühlung

Das Leben schien am Ende....

 

Hagen-Wehringhausen im Dezember 2020,

ein Stadtteil, so wie es inzwischen viele Stadtteile gibt,

in unserer Stadt Hagen und in unzähligen Städten Deutschlands,

Europas und der Welt.

Offensichtliche Armut in einem so reichen Land...

Schaut Euch den Jungen dort an...

Wie alt mag er sein? 7 oder 8?

Er ist so klein, so dünn, so zerbrechlich...

Temperaturen um die 0°C

und er trägt nur ein dünnes Shirt...

Immer wieder drängt er sich in einen Hauseingang,

bis wieder jemand durch die Tür geht,

und Verschwinde hier! brüllt...

                                                                              

Die Vereinigten Staaten von Amerika 2020,

16 Millionen Menschen geben bei der Präsidentschaftswahl ihre Stimme ab...

Am Ende gibt es einen erkennbaren Wahlsieger

Doch der unterlegene Kandidat klebt so an Macht und Titel,

dass er die Demokratie mit Füßen tritt?

Ein Beispiel von vielen weltweit, wie die Mächtigen das Selbstwohl

über Demokratie und Gemeinwohl stellen...

                                                                                        

Berlin, am Buß- und Bettag 2020...

Deutschland kämpft, wie alle Länder dieser Erde,

gegen eine ungehinderte Ausbreitung dieser schrecklichen Corona-Pandemie...

Ja, die Menschen haben Einschränkungen zu tragen,

Kontakte werden beschränkt, Masken sind zu tragen...

Und dann gibt es die, die bewusst gegen diese Regeln verstoßen...

Es gibt die, die sich einspannen lassen von verqueren Ansichten...

Die sich gemein machen mit rechtem, menschenverachtendem Gedankengut...

 

Berlin, am Buß- und Bettag 2020...

Eine sogenannte Querdenker-Demonstration eskaliert...

Wasserwerfer gegen Menschen, Steine und Schläge gegen Polizisten...

Szenen einer Straßenschlacht flackern über die Bildschirme...                                   

 

Der Geist Gottes des Herrn ist auf mir, weil der Herr mich gesalbt hat.

Bischof Nikolaus sah die Größe der Menschen

So gerne hätte er geholfen, doch er selbst hatte auch keine Lebensmittel mehr...

Alles was er hatte, was er zusammensuchen konnte, hatte er bereits verteilt...

Nachts vor den Türen der Ärmsten abgelegt...

Jetzt konnte er nur noch beten....

Nach einigen Tagen breitete sich eine Nachricht aus in Myrna...

Schiffe des Kaisers von Konstantinopel waren im Hafen von Myrna eingelaufen...

Streng bewacht und bis zum Rand beladen mit Kornsäcken.Unglaubliche Mengen an Weizenkörnern.

Und die Menschen in Myrna?

Sie drohten zu verhungern...

 

Der Junge hat einen neuen Hauseingang gefunden,

drückt sich ganz dicht an die Scheibe des Jugendzentrums...

„Paulazzo“ steht in bunten Buchstaben über dem Eingang...

Das Licht von drinnen scheint schon auf die Straße...

Aber noch ist die Tür verschlossen...

Alles Ziehen und Zerren am Türgriff nutzt nichts...

Noch immer schmerzt die Kälte auf der Haut des Jungen...

                                                                                        

Auch Wochen nach der Wahl beschäftigen Trump und seine Anhänger

noch immer die Gerichte, stellen Behauptungen auf, um den Mehrheitswillen nicht akzeptieren zu müssen...

 

In Weißrussland werden noch immer Menschen verhaftet....

Die Demokratie, überall auf der Welt, ein zerbrechliches, schützenswertes Gut....

 

Die Frau ist wütend und traurig...

Ein lieber Mensch, ihr lieber Mann im Krankenhaus...

Besuchsverbot als Coronaschutzmaßnahme...

weil es immer noch Menschen gibt, denen jede Regel egal ist...

Die sich einlullen lassen von Verschwörungsmythen...

Die einfach nicht denken wollen...

Denen eine Party, ein Besäufnis, eine Fete wichtiger erscheint,

als der Schutz des eigenen, des anderen Lebens....

die nicht auch nur einen Zentimeter zurückstecken können oder wollen....

Ihre Wut drückt die Frau so aus:

Habt ihr gut gemacht, ihr Corona-Leugner, ihr Missachter der Corona-Regeln!

Dank eurer, mit konstanter Boshaftigkeit durchgeführten Missachtung der Corona-Regeln, dürfen Patienten in den Krankenhäusern erneut keinen Besuch erhalten. Besuche bei kranken Menschen unterstützen auch psychologisch den Heilungsprozess, aber davon habt ihr herzlosen Diebe ja keine Ahnung.

Selbst die eine wertvolle Stunde Besuchszeit am Tag von einer Person pro Patient habt ihr gestohlen.

Schämt euch!

Er hat mich gesandt, den Elenden gute Botschaft zu bringen,

die zerbrochenen Herzen zu verbinden,

zu verkündigen den Gefangenen die Freiheit,

den Gebundenen, dass sie frei und ledig sein sollen;

zu verkündigen ein gnädiges Jahr des Herrn und einen Tag der Rache unsres Gottes,

zu trösten alle Trauernden.

 

Viele Menschen machten sich auf den Weg zum Hafen. Auch der Bischof Nikolaus...

Er spricht mit dem Kapitän:

Alle Menschen hier haben Hunger,

wir werden sterben,

wenn Du uns nichts abgibst von dem Korn

das du an Board hast...

Der Kaiser wird mich bestrafen, ich kann Euch nichts geben.

Der Kaiser wird mich womöglich umbringen,

wenn die Ladung nicht komplett bei ihm ankommt...

 

Nikolaus ist wütend und traurig zu gleich.

Er zeigt dem Kapitän die hungernden Kinder am Hafen, bittet um sein Mitleid...

Dem Kapitän zerreißt es das Herz.

Die Menschen tun ihm Leid,

und die Worte des Bischofs machen ihn betroffen...

Er läßt einige Menschen an Board,

einige Säcke Korn dürfen sie mit nehmen...

 

Das ist doch viel zu wenig, um uns alle satt zu bekommen,

werden erste Stimmen laut...

Doch Bischof Nikolaus besänftigt sie...

Habt Vertrauen sagt er...

 

Die Tür des Jugendzentrums öffnet sich,

Wärme und der Geruch von Nudeln mit Tomatensauce

schlagen dem Jungen entgegen...

Ein freundliches: „Schön das du da bist“

zaubert dem Jungen ein Lächeln auf das Gesicht...

Die Wärme durchdringt seinen Körper und sein Herz....                                                            

 

Am 24.11.2020 um 00:53 Uhr veröffentlicht die Tagesschau folgende Meldung:

Nach wochenlanger Blockade hat Noch-US-Präsident Trump

sein Team angewiesen, mit seinem gewählten Nachfolger Biden zu kooperieren.

Die Leiterin der zuständigen US-Bundesverwaltungsbehörde GSA,

Emily Murphy, solle "tun, was getan werden muss",

um Bidens Übergangsteam zu unterstützen, schrieb Trump auf Twitter.

Zuvor hatte die GSA Biden als wahrscheinlichen Wahlsieger eingestuft

und damit grünes Licht für die Kooperation der Trump-Regierung

mit dem Team des Demokraten gegeben.

Damit kann der Amtsübergabeprozess starten und Biden bekommt den

ihm bislang verwehrten Zugang zur Regierungs-Infrastruktur.

 

Mein Smartphone vibriert.

Wieder so ein blödes Video, denke ich, nichts wie löschen...

Doch irgendwie macht mich der freundlich dreinblickende Mann neugierig...

Vom Alter her könnte er mein Vater sein...

ich drücke auf den Pfeil zum abspielen...

Das Video startet und fesselt mich...

Darin berichtet der fiktive ältere Mann Anton Lehmann aus der Zukunft,

wie er die zweite Welle „damals im Corona-Winter 2020" erlebt hat.

"Eine unsichtbare Gefahr bedrohte alles an was wir glaubten",

beschreibt Lehmann die Corona-Situation in Deutschland rückblickend.

Das Schicksal habe plötzlich in ihren Händen gelegen.

Also taten sie, was von ihnen erwartet worden sei.

"Nämlich nichts. Absolut gar nichts", so Lehmann.

"Tage und Nächte blieben wir zu Hause

und kämpften gegen die Ausbreitung des Corona-Virus".

Die Couch sei zur Front geworden, die Geduld zur Waffe.

Das sei ihr Schicksal gewesen.

"So wurden wir zu Helden.

Damals - in diesem Corona-Winter 2020",

erinnert sich Lehmann.

Das Video endet mit dem Appell der Bundesregierung: "Werde auch du zum Helden

und bleib zuhause".

 

Noch immer murren die Menschen, das Korn wird nie für uns alle reichen...

Doch Bischof Nikolaus besänftigt sie...

Habt Vertrauen, seid dankbar...

Gott wird uns nicht allein lassen...

Am nächsten Morgen verlassen die Schiffe den Hafen...

 

Am Ziel angekommen, bekam der Kaptän es mit der Angst zu tun,

Was wird passieren, wenn der Kaiser merkt, dass einige Säcke Korn fehlen?...

Immer nervöser wurde er, als das Getreide Sack für Sack gewogen wurde...

Am Ende fehlte nicht ein einziges Gramm,

so wie der Bischof Nikolaus es versprochen hatte...

Und auch die Menschen in Myra staunten nicht schlecht:

 

Der kleine Vorrat in ihren Kammern reichte auf wundersame Weise

für eine lange Zeit...

Und es blieb, als der Regen kam noch genug übrig, als Saatgut für die Felder...

Die Menschen erzählten sich noch lange von der wunderbaren Kornvermehrung

und dankten Gott für seine Hilfe.

                                                                                        

Der Geist Gottes des Herrn ist auf mir, weil der Herr mich gesalbt hat.

Er hat mich gesandt, den Elenden gute Botschaft zu bringen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, zu verkündigen den Gefangenen die Freiheit, den Gebundenen, dass sie frei und ledig sein sollen;

zu verkündigen ein gnädiges Jahr des Herrn und einen Tag der Rache unsres Gottes, zu trösten alle Trauernden.Ich freue mich im Herrn, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott;

denn er hat mir die Kleider des Heils angezogen und mich mit dem Mantel der Gerechtigkeit gekleidet, wie einen Bräutigam mit priesterlichem Kopfschmuck geziert und wie eine Braut, die in ihrem Geschmeide prangt.

 

Amen

 

Gottes Friede, höher als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Fürbitten

Gott, du kommst

und bringst Heil und Leben

allen Menschen,

den kleinen und den großen. 

Lass dein Licht in die dunklen Täler dringen,

in denen Krieg und Unterdrückung herrschen. 

 

Wir bitten Dich,

lass es hell werden,

wenn das Leben seinen Glanz verliert

und die Kräfte schwinden.

 

Wir bitten Dich:

Erhelle Du die Trauer der Menschen

und lass es hell werden,

überall da,

wo Krankheit und Tod dunkle Schatten werfen.

 

Lass dein Licht die finsteren Winkel ausleuchten,

in denen Missbrauch und Gewalt geschehen. 

Lass dein Licht die Nächte der Welt erhellen.

 

Sende dein Licht und verwandle die Welt.

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich!

Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir
und sei dir gnädig.

Der Herr hebe sein Angesicht auf dich
und gebe dir Frieden. Amen.