19. Sonntag nach Trinitatis - 18. Oktober 2020

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Prädikantin Barbara Terweiden - Lektor: Friedrich-Wilhelm Kruse

Heile du mich, Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen.

Mit dem Wochenspruch aus Jeremia 17 begrüße ich Sie ganz herzlich.

Predigttext

Legt von euch ab den alten Menschen mit seinem früheren Wandel, der sich durch trügerische Begierden zugrunde richtet. 23Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn24und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit.

25Darum legt die Lüge ab und redet die Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten, weil wir untereinander Glieder sind. 26Zürnt ihr, so sündigt nicht; lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen 27und gebt nicht Raum dem Teufel. 28Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr, sondern arbeite und schaffe mit eigenen Händen das nötige Gut, damit er dem Bedürftigen abgeben kann. 29Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen, sondern redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Gnade bringe denen, die es hören. 30Und betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt seid für den Tag der Erlösung. 31Alle Bitterkeit und Grimm und Zorn und Geschrei und Lästerung seien fern von euch samt aller Bosheit.32Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.

 

 

Eröffnung

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.

Gott, wir brauchen dich in diesen Tagen ganz besonders. Stärke unser Vertrauen und unsere Zuversicht, dass du uns an jedem Tag nahe sein willst. Amen

Psalm 32

Wohl dem, dem die Übertretungen vergeben sind, dem die Sünde bedeckt ist!

 

Wohl dem Menschen, dem der Herr die Schuld

 nicht zurechnet, in dessen Geist kein Falsch ist.

 

Denn da ich es wollte verschweigen, verschmachteten meine Gebeine durch mein tägliches Klagen.

 

Denn deine Hand lag Tag und Nacht schwer auf

mir, dass mein Saft vertrocknete, wie es im

Sommer dürre wird.

 

Darum bekannte ich dir meine Sünde, und meine Schuld verhehlte ich nicht.

 

Ich sprach: Ich will dem Herrn meine Übertretungen

bekennen. Da vergabst du mir die Schuld meiner

Sünde.

 

Deshalb werden alle Heiligen zu dir beten zur Zeit der Angst;

 

darum, wenn große Wasserfluten kommen,

werden sie nicht an sie gelangen.

 

Du bist mein Schirm, du wirst mich vor Angst behüten,

dass ich errettet gar fröhlich rühmen kann.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Wie es war im Anfang so auch immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit . Amen.

Lesung Epheser 4, 22-32

22Legt von euch ab den alten Menschen mit seinem früheren Wandel, der sich durch trügerische Begierden zugrunde richtet. 23Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn 24und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit.

 

25Darum legt die Lüge ab und redet die Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten, weil wir untereinander Glieder sind. 26Zürnt ihr, so sündigt nicht; lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen 27und gebt nicht Raum dem Teufel. 28Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr, sondern arbeite und schaffe mit eigenen Händen das nötige Gut, damit er dem Bedürftigen abgeben kann. 29Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen, sondern redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Gnade bringe denen, die es hören. 30Und betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt seid für den Tag der Erlösung. 31Alle Bitterkeit und Grimm und Zorn und Geschrei und Lästerung seien fern von euch samt aller Bosheit. 32Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.

Predigt

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde,

vor ein paar Wochen sagte meine 10 jährige Enkelin zu mir: „Also Oma, ich bin jetzt Vegetarierin, ich esse kein Fleisch mehr, weil ich die Tiere so liebe“.  Sie war nie ein ganz großer Fleischesser, aber ihre Entscheidung stand fest, sie wollte eine Veränderung.

 

In unserem Predigttext aus dem Epheserbrief geht es auch um Veränderungen.

Liebe Gemeinde,

Legt von euch ab den alten Menschen, schreibt Paulus an die Gemeinde in Ephesus.

Legt ab den alten Menschen und zieht den neuen Menschen wie ein Kleid an.

Paulus weiß wovon er spricht, schließlich hatte er es am eigenen Leib erfahren. Als Saulus hatte er mit seiner ganzen Kraft und Energie die Christen verfolgt, gefangen genommen oder brutal getötet. Er war sich sicher das Richtige zu tun. Diese neue Lehre musste im Keim erstickt werden.

Dann hatte Gott in sein Leben eingegriffen und ihm im wahrsten Sinne die Augen geöffnet, wieder geöffnet!

Paulus hatte in seinem Leben eine 180 Grad Drehung vorgenommen und er wurde wirklich ein neuer Mensch, der sein ganzes Leben auf die Verkündigung von Gottes froher Botschaft ausgerichtete.

Und er schreibt viele Briefe, die Zeugnis darüber geben, wie er die Gemeinden gestärkt und unterstützt hat.

Lasst euch erneuern, dass der Heilige Geist in eurem Verstand wirken kann. Und zieht den neuen Menschen an wie eine neues Kleid. Denn er ist nach Gottes Bild geschaffen und dadurch fähig zu wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit.

Legt die Lüge ab und redet die Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten, weil wir alle Glieder am Leib Christi sind.

Euer Zorn soll nicht dazu führen, dass ihr Schuld auf euch ladet. Lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen. Gebt dem Teufel keinen Raum zum Wirken.

Seid gütig und barmherzig zueinander. Vergebt einander, wie Gott euch durch Christus vergeben hat.

 

Wenn wir heute diesen Text hören, dann klingt er für mich sehr aktuell. Er ermahnt uns.

Im Umgang mit unseren Nächsten können diese Worte hilfreich sein.

Da ist vielleicht in einer Gemeindegruppe eine Frau, die immer als Erste etwas erzählen will, oder eine Andere, die häufig zu laut spricht, oder jemand, der meistens Recht haben will.

Mit den „Regeln“ des Paulus könnten wir mehr Gelassenheit anstreben. Statt sich über Dinge zu ärgern könnte man auf das sehen, was gut klappt.

Wir wissen, keiner kann zwar aus seiner Haut, und wenn die Chemie zwischen Menschen nicht stimmt kann es schwierig sein, aber, um in dem Bild zu bleiben, kann ein neues Kleid mich erinnern, wenn ich anders reagieren will.

In unserem Umfeld könnte da etwas von Gottes Liebe spürbar und sichtbar werden. Ein Stückchen von Gottes Himmelreich schon hier bei uns.

Um eine kleine „heile Welt“ können wir uns bemühen.  

Aber, mit weiterem Blick sehe ich so viel, was in unserer Welt falsch läuft. Da kann mir nur schwindelig werden. Da wird es mir schlecht!

Ich denke an Menschen, denen Unrecht getan wird, die leiden durch Hunger oder Gewalt. Menschen, die wie Sklaven ausgebeutet werden oder die aus Angst um ihr Leben aus ihrer Heimat fliehen. Flüchtlinge, die nicht wissen wohin, denen es an allem fehlt. 

Ich denke an das was wir unserer Erde antun durch Umweltverschmutzung und Ausbeutung. Das biologische Gleichgewicht wird durch die Profitgier zerstört, wenn z.B. Regenwälder ohne Rücksicht auf Verluste abgeholzt werden.

Es gibt unzählige Beispiele dafür, dass wir Menschen anscheinend alles skrupellos kaputt machen. Besitz und Geld entscheiden letztlich über unsere Welt.

„Das ist halt so“ sagen manche schulterzuckend. „Kann man nichts machen“. Leider!!

 

„Lieber Paulus“, möchte ich sagen, „wie recht du hast!“

Wir brauchen viele Menschen, die den alten Menschen ablegen, der sich mit trügerischen Begierden zugrunde richtet. Wir brauchen Menschen, die etwas Neues wagen wollen. Die sich darauf besinnen, dass wir nach Gottes Ebenbild geschaffen sind, und die sich nach ihrem Vermögen einsetzen etwas zu verändern.

Trägt vielleicht die Corona Pandemie dazu bei etwas zu verändern?

Bekommen die Beziehungen zwischen Menschen einen höheren Stellenwert?

Erkennen wir, wie wichtig jede und jeder Einzelne für uns sein kann?

Finden wir neue Wege zu mehr Gerechtigkeit? Die ganze Welt ist erschüttert! Sind wir Menschen in der Lage daraus etwas zu lernen? 

Es gibt klitzekleine Veränderungen. In den letzten Jahren hat z.B. der faire Handel deutlich zugenommen.

Es werden Überlegungen zur Müllvermeidung und zur Verminderung von CO 2 Abgasen gemacht. Die Verbraucher von Lebensmitteln hinterfragen die Herkunft und es sollen weniger Tiere gequält werden, um möglich billiges Fleisch zu verkaufen. Küken sollen irgendwann ( ab 2023 ) nicht mehr getötet werden, nur weil sie männlich sind.

Und die Flüchtlinge auf Lesbos sollen nun doch in Europa leben dürfen, viele Menschen setzen sich dafür ein. Menschenleben ist wertvoll! 

Ob es uns gelingt den alten Menschen abzulegen haben wir nicht allein in der Hand.

Ich höre den Wochenspruch: Heile du mich, Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen.  

Ich wünsche uns allen Gottes Hilfe und Begleitung für alle Entscheidungen, die dem Leben in unserer Welt  dienen.

Ob wir unsere Reiselust überdenken, was Flugzeug und Auto angeht, ob wir bei allen Konsumgütern hinterfragen wie und wo sie hergestellt werden, ob wir selbst so wenig wie möglich Müll produzieren.

Und da bin ich dann bei meiner kleinen Enkelin, die entschieden hat einfach kein Fleisch mehr zu essen, weil sie Tiere liebt.

Amen!

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unseren Herrn.

Amen.

Fürbitten

Lasst uns zu Gott beten:

Wenn wir uns aufmachen, Gott, lass uns nicht die alten Wege gehen; lass uns nicht nur die bekannten Menschen anschauen. Gib uns Freude daran, andere Menschen kennen zu lernen.

Wenn wir uns umschauen, Gott. Lass uns nicht wegschauen von der Not anderer, von ihrem Kummer, von ihrer Einsamkeit. Gib uns offene Augen und ein weites Herz zu erkennen, wo wir gebraucht werden.

Wenn wir uns auf dem Weg machen, Gott, behüte unsere Schritte. Lass nicht zu, dass Menschen unter die Räuber fallen. Beeile dich den Geschundenen zu helfen und den Opfern der Gewalt.

Wenn wir unsere Gemeinden bauen, Gott, lass uns keine geschlossene Gesellschaft werden. Halte unsere Türen offen. Schenke uns Freude über unerwartete Begegnungen, mache uns neugierig auf fremde Sichtweisen, hilf uns, unbequeme Worte anzunehmen.

Wenn wir unser Leben, unseren Alltag planen, Gott, lass uns ein wenig Zeit freihalten von Pflicht und Befehl, ein wenig Zeit, für einen überraschenden Besuch, ein wenig Zeit für eine zarte Geste, ein wenig Zeit, für Menschen am Rande unseres Lebens.

Begleite uns mit deinem Geist.

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich!

Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir
und sei dir gnädig.

Der Herr hebe sein Angesicht auf dich
und gebe dir Frieden.

Amen. Amen. Amen.