18. Sonntag nach Trinitatis - 11. Oktober 2020

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Pfarrerin Elke Schwerdtfeger - Lektorin: Berti Orsinari Purba

Dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe. 1. Johannes 4,21

Liebe Gemeinde, bei diesem Gottesdienst geht es um Gebote. Woher weiß ich, was richtig ist und was falsch?

Diesen Gottesdienst gestaltet ein Gast aus Indonesien mit: Berti Orsinari Purba. Sie hat 2012/2013 ein Freiwilliges Soziales Jahr bei der Evangelischen Jugend in Hagen gemacht. Jetzt lebt sie in Bayern und macht dort eine Ausbildung.

Eröffnung

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.

Psalm 1

Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen

noch tritt auf den Weg der Sünder

noch sitzt, wo die Spötter sitzen,

sondern hat Lust am Gesetz des Herrn

und sinnt über seinem Gesetz Tag und Nacht!

Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen,

der seine Frucht bringt zu seiner Zeit,

und seine Blätter verwelken nicht.

Und was er macht, das gerät wohl.

Amen.

Predigt

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und unserem Bruder, Jesus Christus. Amen.

 

„Das ist mir zu hoch!“ –

Liebe Gemeinde, kennen Sie solch einen Stoßseufzer?

Das ist mir zu hoch! – Das verstehe ich nicht, das kann ich mir nicht merken. Das begreife ich nicht.

 

Mir geht es oft schon so bei Dingen am Computer. Oder bei Gebrauchsanleitungen. Erst recht bei komplizierten Zusammenhängen im politischen Bereich.

 

Es gibt vieles, das mir „ zu hoch“ ist.

Und was ich nicht verstehe, das kann ich auch nicht umsetzen. Danach kann ich nicht handeln. Es bleibt mir verschlossen.

 

Gewiss gibt es auch in der Beziehung zwischen uns und Gott vieles, was uns „zu hoch“ ist.

Gott ist oft nicht zu begreifen in seinem Handeln.

Aber manches, was von Gott kommt, ist nicht „zu hoch“.

 

Mose hat das Volk Israel aus der Sklaverei in Ägypten befreit. 40 lange Jahre sind sie durch die Wüste gewandert. Sie haben Erfahrungen miteinander und mit Gott gemacht.

 

Nun ist das Volk Israel fast am Ziel, es ist nicht mehr weit bis zum versprochenen Land.

Mose erinnert das Volk an alle Erfahrungen mit Gott und an die Gebote Gottes. Er benennt noch mal, was wirklich wichtig ist im Leben in Freiheit:

 

Predigttext: 5. Mose 30,11-14

Mose sagt zum Volk Israel: Denn das Gebot, das ich dir heute gebiete, ist dir nicht zu hoch und nicht zu fern. 

12Es ist nicht im Himmel, dass du sagen müsstest: Wer will für uns in den Himmel fahren und es uns holen, dass wir’s hören und tun? 

13Es ist auch nicht jenseits des Meeres, dass du sagen müsstest: Wer will für uns über das Meer fahren und es uns holen, dass wir’s hören und tun? 

14Denn es ist das Wort ganz nahe bei dir,

in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust.

Amen.

 

Das Wort ist ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust.

 

Mose ermutigt die Menschen. Gott ermutigt uns: Was ich von dir fordere, ist etwas, was ganz naheliegend ist.

Du kennst es! Du hast es sogar im Herzen!

Es ist nicht „zu hoch“.

 

Die 10 Gebote hat Gott den Menschen während ihres Weges durch die Wüste gegeben:

Du sollst Gott lieben und nichts anderes vergöttern.

Du sollst Gottes Namen nicht missbrauchen, den Ruhetag heilig halten.

Du sollst die alt gewordenen Eltern ehren.

Du sollst nicht töten, nicht ehebrechen, nicht stehlen.

Du sollst nicht lügen.

Du sollst nicht haben wollen, was anderen gehört.

 

Es sind Verhaltensregeln, die jede, jeden Einzelnen im Zusammenleben von vielen schützen.

Einfach und verständlich – nicht wahr?!

Schließlich möchte niemand von uns verletzt werden, betrogen, bestohlen oder geschädigt.

Und wie gut, dass der Gott Israels den Ruhetag geschaffen hat, damit wir uns erholen können!

Für das und noch viel mehr „müssen“ wir einfach Gott lieben!

 

Mit Humor sagt Mose: Niemand braucht in den Himmel fahren oder über das Meer fahren, um Gottes Gebot zu hören und dann zu befolgen.

Das Wort ist ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust.

 

Gottes Wort, Gottes Gebot ist ganz nahe bei dir, es ist in dir drin!

Wann, wo, durch wen haben Sie gelernt, was gut ist und was böse ist?

 

Durch wen hast du das gelernt, Berti?

 

Berti Purba: Als ich ein kleines Kind war von meinen Eltern. Im Kindergottesdienst haben wir die 10 Gebote gelernt.

Später wurde auch in der Schule darüber gesprochen.

 

Elke Schwerdtfeger: Du bist in Indonesien aufgewachsen. Das ist ein Land, in dem die meisten Menschen zum Islam gehören. Hattest du Kontakt zu Muslimen? Welche Gebote haben sie gelernt?

 

Berti Purba: Ich habe ganz viele Freundinnen gehabt, die Muslima sind. Sie haben die gleichen Gebote gelernt: Du darfst nicht töten, nicht lügen und so. Das ist überall gleich.

 

Gott lieben und den Nächsten respektieren – das ist keine ethische Höchstleistung. Das ist etwas, was in uns Menschen steckt, was wir eigentlich von Natur aus machen.

Und oft passiert das ja auch. Und Menschen helfen anderen, die in Not sind, ohne groß zu fragen. Sie tun, was getan werden muss. 

 

Denn: „Wenn du Gott liebst und seine Gebote hältst, so wirst du leben!“, weiß Mose.

 

Manchmal ist allerdings der Weg vom Herzen zu den Händen ziemlich weit.

Da wissen wir, was gut und richtig wäre.

Wir reden vielleicht auch darüber.

Gern auch darüber, was andere unbedingt tun sollten.

Aber dann konsequent zu sein und selber zu handeln, das bleibt manchmal auf der Strecke.

„Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.“ Sagt Jesus (Mt 26,41).

 

Deshalb ist es gut, dass wir immer mal wieder daran erinnert werden, was Gott von uns will, damit alle in Frieden leben können:

 

Gottes Gebote halten. Nicht nur darüber reden.

Nicht nur im Herzen Gutes wollen.

Sondern die Gebote müssen auch in die Hände und Füße kommen. Wir müssen danach handeln.

 

Und das ist oft ganz schlicht, ganz bodenständig: Menschen, die hungern, zu essen geben.

Uns um alt gewordene kümmern.

Das Leben fördern, wo immer wir können.

 

Das ist nicht zu hoch!

Amen.  

 

Und der Friede Gottes, der größer ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus unserem Bruder. Amen.

Fürbitten

Gott, danke, dass du uns deine Gebote

in den Mund und in das Herz gelegt hast.

Gib, dass wir auch danach handeln.

 

Wir bitten dich für alle, die sich um alt gewordene kümmern – in Pflegeheimen, in der Familie, in der Nachbarschaft oder in der Gemeinde.

Gib ihnen Kraft, Liebe und Ideen für ihre Aufgaben.

 

Wir bitten dich für alle, die sich um Kinder und Jugendliche kümmern – in den Familien, in Schulen und Kindergärten, im Jugendzentrum Paulazzo.

Gib ihnen Phantasie, den Kindern vorzuleben, was wirklich wichtig ist im Leben.

 

Wir bitten dich für alle, die dazu beitragen, dass wir Menschen aus verschiedenen Kulturen in Frieden zusammen leben: Auf der ganzen Erde, in unserem Land, in Wehringhausen, in unserer Gemeinde.

Gib allen Respekt vor anderen Menschen und vor dir, Gott.

 

Gott, erinnere uns immer wieder an das,

was du von uns willst. Amen.

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich!

Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir
und sei dir gnädig.

Der Herr hebe sein Angesicht auf dich
und gebe dir Frieden. Amen.