17. Sonntag nach Trinitatis - 26. September 2021

Lesegottesdienst aus der Pauluskirche von Pfarrerin Elke Schwerdtfeger

 

Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.

1.Joh 5,4

Liebe Gemeinde, willkommen zum Gottesdienst!

Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Aus Psalm 138

Ich danke dir von ganzem Herzen,

vor den Göttern will ich dir lobsingen.

Ich will anbeten zu deinem Heiligen Tempel

und deinen Namen preisen für deine Güte und Treue,

denn du hast deinen Namen und dein Wort

herrlich gemacht über alles.

Wenn ich dich anrufe, so erhörst du mich

und gibst meiner Seele große Kraft.

Es danken dir, Herr, alle Könige auf Erden,

dass sie hören das Wort deines Mundes;

sie singen von den Wegen des Herrn,

dass die Herrlichkeit des Herrn groß ist.

Denn der Herr ist hoch und sieht auf den Niedrigen

und kennt den Stolzen von ferne.

Wenn ich mitten in der Angst wandle,

so erquickst du mich

und reckst deine Hand gegen den Zorn meiner Feinde

und hilfst mir mit deiner Rechten.

Der Herr wird meine Sache hinausführen.

Herr, deine Güte ist ewig.

Das Werk deiner Hände wollest du nicht lassen.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Lesung Matthäus 15, 21-28

Und Jesus ging weg von dort

und entwich in die Gegend von Tyrus und Sidon. 

Und siehe, eine kanaanäische Frau kam aus diesem Gebiet und schrie:

Ach, Herr, du Sohn Davids, erbarme dich meiner!

Meine Tochter wird von einem bösen Geist übel geplagt. 

Er aber antwortete ihr kein Wort.

Da traten seine Jünger zu ihm, baten ihn und sprachen:

Lass sie doch gehen, denn sie schreit uns nach. 

Er antwortete aber und sprach:

Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.

Sie aber kam und fiel vor ihm nieder und sprach:

Herr, hilf mir! 

Aber er antwortete und sprach:

Es ist nicht recht, dass man den Kindern ihr Brot nehme

und werfe es vor die Hunde. 

Sie sprach: Ja, Herr; aber doch essen die Hunde von den Brosamen,

die vom Tisch ihrer Herren fallen. 

Da antwortete Jesus und sprach zu ihr: Frau, 
dein Glaube ist groß.

Dir geschehe, wie du willst! 

Und ihre Tochter wurde gesund zu derselben Stunde.

Predigt

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und unserem Bruder, Jesus Christus. Amen.

 

Liebe Gemeinde,

 

heute habe ich die Wahl. Ich habe eine Stimme.

Dafür bin ich dankbar.

Ich kann in diesem Land frei leben und reden,

wie alle anderen Wahlberechtigten auch.

Welch ein Segen ist das!

So viele Menschen leben in Ländern,

in denen das nicht möglich ist!

 

Manchmal kann ich das schwer ertragen,

was andere von sich geben.

Ich denke: „Herr, schmeiß Hirn vom Himmel!“

Aber das ist Demokratie. Sie mutet uns einander zu.

Alle sollen zu Wort kommen.

Und die, die wir heute wählen,

die die Verantwortung bekommen,

unser Land in den nächsten Jahren zu gestalten,

die sollen versuchen alle mitzunehmen.

Demokratie geht nur miteinander.

 

Miteinander das Leben gestalten. Dazu will Paulus die Christen der Gemeinde in Rom ermutigen.

Er hat von den Spannungen gehört:

Es gibt die, die aus der jüdischen Tradition kommen.

Und es gibt die, die von der griechischen Tradition geprägt sind.

Da knirscht es öfter. 

Was hilft in solch einer Situation?

 

Paulus schreibt im Brief an die Gemeinde in Rom:

Römer 10,9-10

9Wenn du also mit deinem Mund bekennst:

»Jesus ist der Herr!«

Und wenn du aus ganzem Herzen glaubst:

»Gott hat ihn von den Toten auferweckt!«

Dann wirst du gerettet werden.

10Denn aus dem Herzen kommt der Glaube,

der gerecht macht.

Und aus dem Mund kommt das Bekenntnis,

das zur Rettung führt.

 

Liebe Gemeinde,

bei allen Spannungen - Paulus erinnert alle seine Leserinnen und Leser an das, was sie verbindet:

Der Glaube an Jesus Christus, den Gekreuzigten und Auferstandenen.

 

Diesen Glauben sollen wir leben. Zweierlei ist ihm dabei wichtig.

 

Erstens: Wir sollen von unserem Glauben sprechen.

Den Glauben bekennen, bedeutet für Paulus nicht nur,

dass wir im Gottesdienst miteinander das Glaubensbekenntnis beten.

Den Glauben bekennen bedeutet auch,

dass wir unseren Glauben im Alltag zeigen.

Bei uns ist es fast ein Tabu zu erwähnen, dass man zur Kirche gehört, betet oder sich sogar noch ehrenamtlich einbringt.

 

In Indonesien ist das ganz anders. Da ist es üblich, wenn man neben fremden Menschen im Bus sitzt, dass gefragt wird: „Woher kommst du? Wohin willst Du fahren?

Bist du Christ oder Moslem?“

 

Bei uns ist das anders.

Von mir als Pastorin erwarten Menschen selbstverständlich,

dass ich über meinen Glauben spreche.

Andere erzählen mir manchmal, dass sie schief angeguckt werden, wenn sie von der Gemeinde erzählen.

Machen Sie es bitte dennoch!

Erzählen Sie von Ihrem Ehrenamt oder davon,

dass Sie Gottesdienste im Fernsehen anschauen!

Erzählen Sie von dem, was Sie freut,

und von dem, was Ihnen fremd ist!

Erzählen Sie, was Ihnen hilft und was Sie tröstet!

Es ergeben sich bestimmt Gelegenheiten dazu.

 

Dabei geht es nicht darum, andere „bekehren“ zu wollen. Ich achte darauf, dass ich niemanden bedränge.

Aber ich erzähle davon, dass ich Gott danke,

dass ich in der Gemeinde zu Hause bin,

dass ich gerne in den Gottesdienst gehe,

und dass Sie, die auch glauben, für mich wie ein Netz sind, das mich trägt.

 

Vielleicht lade ich dadurch andere ein, auch mal zu kommen. Aber das liegt nicht in unserer Hand.

Da muss Gottes Geist wirken.

 

Zweitens ist es Paulus wichtig,

dass du „aus ganzem Herzen glaubst“.

Wer kann das von sich behaupten:

Aus ganzem Herzen glaube ich,

„Gott hat Jesus von den Toten auferweckt!“

Aus ganzem Herzen vertraue ich Gott.“

Vollmundig kann ich das von mir nicht sagen.

Aber ich versuche, Gott zu vertrauen.

 

Die Geschichte von Jesus und er ausländischen Frau,

die wir als Evangelium gehört haben,

macht mir dabei Mut.

„Frau, dein Glaube ist groß“, sagt Jesus.

Die Frau hat kein Glaubensbekenntnis abgelegt.

Sie war nicht im Konfirmandenunterricht.

Aber sie hat auf Jesus vertraut,

ihm zugetraut, dass er ihr helfen kann.

„Frau, dein Glaube ist groß.“

Was sie glaubt, „reicht“.

 

Wenn wir ein kleines bisschen an Gott glauben,

ihm ein wenig vertrauen,

ist das das Packende, an dem wir uns festhalten können. Und das allein zählt bei Gott.

 

Und ich habe erfahren, dass das Vertrauen wächst,

je länger ich mich an Gott festhalte,

je mehr Erfahrungen ich mit dem Glauben mache.

„Ich glaube. Hilf meinem Unglauben!“,

heißt es bei Markus 9,24.

Zu vertrauen und zu zweifeln, gehört zusammen.

Aber Gott hilft dabei. Versuchen Sie es!

 

Das wir glauben und dass wir unseren Glauben bekennen hat Folgen.

Es hilft und bestärkt uns selber.

Es macht vielleicht andere neugierig.

Mag sein, dass jemand sagt: „Ich kann nicht glauben.“

Oder: „Für mich ist das nichts.“

Manchmal bin ich auch enttäuscht, wenn Menschen aus meinem nahen Umfeld sagen: „Ich trete aus der Kirche aus. Das ist doch alles Quatsch.“

 

Schade! Mir sind Gott und die Gemeinde doch so wichtig!

Aber das haben wir nicht in der Hand.

Dass jemand Gott vertrauen kann, kann ich nicht machen. Das muss Gottes Geist bewirken.

 

Manchmal jedoch können auch Menschen, die nicht selber glauben, sich an unserer Zuversicht festhalten.

Und das ist dann auch Geschenk des Heiligen Geistes.

 

Paulus versucht mit seinem Brief, die verschiedenen Menschen in der Gemeinde in Rom miteinander zu verbinden.

 

Was Paulus den Christen dort ans Herz legt,

gilt auch für unser Zusammenleben in unserem Land:

Wir müssen einander erzählen, was uns am Herzen liegt, und den anderen zuhören.

Und wir müssen Geduld miteinander haben.

Beten wir für die, die heute Verantwortung in unserem Land übernehmen!

Amen.

 

Und der Friede Gottes,

der höher ist als alle Vernunft,

bewahre unsere Herzen und Sinne

in Christus, unserem Bruder. Amen.

Fürbitten

Gott, wir bitten dich für alle Bürgerinnen und Bürger unseres Landes:

Lass sie ihre Verantwortung wahrnehmen und wählen gehen.

Wir bitten dich auch für alle, die heute gewählt werden:

Hilf, dass sie ihre Möglichkeiten einsetzen, um Kinder, alt gewordene und besonders hilfsbedürftige Menschen zu schützen.

 

Gott, wir bitten dich für alle Christinnen und Christen:

Hilf, dass sie überall auf dieser Erde ihren Glauben leben können.

Lass uns dazu beitragen, dass alle Menschen in Frieden auf dieser Erde leben können.

 

Gott, wir bitten dich für alle, die sich ehrenamtlich in eine Gemeinde einbringen:

Hilf, dass sie von unserer Kirche und uns Hauptamtlichen gut unterstützt und begleitet werden!

 

Gott, jede und jeder von uns braucht deine Hilfe. Du weißt, welche persönlichen Sorgen wir haben.

Schau in unsere Herzen und nimm auch die unausgesprochenen Bitten wahr!

Vater Unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme,

dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Segen

Gehet hin im Frieden des Herrn. – Gott sei ewiglich Dank.

Gott segne dich und behüte dich!

Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir

und sei dir gnädig.

Gott hebe sein Angesicht auf dich

und schenke dir Seinen Frieden.

Amen.