16. Sonntag nach Trinitatis - 27. September 2020

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Pfarrerin Elke Schwerdtfeger - Lektorin: Kim Klinker

Jesus Christus hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium. 2. Tim 1,10b

Liebe Gemeinde, dieser Wochenspruch ermutigt uns. Dazu lassen Sie uns Gottesdienst in der Pauluskirche feiern!

Eröffnung

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.

Psalm 68

Die Gerechten freuen sich
und sind fröhlich vor Gott
und freuen sich von Herzen.

Singet Gott, lobsinget seinem Namen!
Macht Bahn dem, der auf den Wolken einherfährt;
Er heißt Herr. Freuet euch vor ihm!

Ein Vater der Waisen und ein Helfer der Witwen
ist Gott in seiner heiligen Wohnung,

ein Gott, der die Einsamen nach Hause bringt,
der die Gefangenen herausführt,
dass es ihnen wohlgehe.

Er wird dem Volk Macht und Kraft geben.
Gelobt sein Gott!
Amen.

2. Timotheusbrief des Paulus [Kap.1, 7-10]

Denn der Geist,den Gott uns geschenkt hat, lässt uns nicht verzagen. Vielmehr weckt er in uns Kraft, Liebe und Besonnenheit. Schäme dich also nicht, als Zeuge für unseren Herrn aufzutreten. Und schäme dich auch nicht für mich, weil ich seinetwegen in Haft bin. Sondern sei bereit, mit mir für die Gute Nachricht zu leiden. Gott gibt dir die Kraft dazu.

Er hat uns gerettet, und er hat uns berufen durch seinen heiligen Ruf. Das geschah nicht etwa aufgrund unserer Taten, sondern aus seinem eigenen Entschluss – und aus der Gnade, die er uns schon vor ewigen Zeiten in Christus Jesus geschenkt hat. Aber jetzt wurde diese Gnade offenbar durch das Erscheinen unseres Retters Christus Jesus. Er hat den Tod besiegt. Und er hat durch die Gute Nachricht unvergängliches Leben ans Licht gebracht.

[Übersetzung der Basisbibel]

Predigt

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und unserem Bruder, Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde, dies ist ein Ulos, ein traditionelles handgewebtes Tuch der Simalungun.
Was das mit dem Predigttext zu tun hat? Lassen Sie es sich erzählen!  

Wir im Evangelischen Kirchenkreis Hagen haben seit langem eine Partnerschaft mit der Simalungunkirche auf Sumatra.  

Die Corona-Pandemie wütet auch in Indonesien. Wir hören in Briefen und bei Telefongesprächen mit Freundinnen in Indonesien, wie schlimm die Folgen für Menschen dort sind: Viele haben kaum noch ein Einkommen. In manchen Familien reicht das Geld nicht mal für das Essen. Sie verdienen nichts, weil viele Firmen dicht sind und es keine Arbeitslosenversicherung gibt. Bauern können ihr Obst und Gemüse nicht verkaufen, weil Menschen weniger Geld zum Einkaufen haben. Märkte können nicht wie gewohnt abgehalten werden. Früchte verfaulen einfach. Auf manchen Dörfern gibt es kaum Internet. Wenn die Schulen geschlossen sind, lernen Kinder zu Hause kaum etwas. Menschen, die älter sind als 60 Jahre, und Kinder dürfen noch nicht wieder Gottesdienste in den Kirchen miteinander feiern. Viele Menschen in Simalungun leiden stark unter den Folgen der Pandemie.  

Vor wenigen Tagen hat mir Lermianna Girsang, eine Mitarbeiterin der Simalungunkirche, geschrieben: „Ich weiß, dass es jetzt in der ganzen Welt Probleme gibt. Lasst uns einander helfen und füreinander beten. Wir wissen, dass unser lieber Gott größer ist als unsere Probleme.“  

Wir wissen, dass unser lieber Gott größer ist als unsere Probleme. Welch eine Zuversicht spricht aus diesem Satz! Er hat mich sehr angerührt.
Es ist für mein Empfinden das, was der 2.Timotheusbrief 1,7 so beschreibt: Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.  
Besinnen wir uns auf den Geist, den Gott uns geschenkt hat! Gott kennt alles, was uns Angst macht. Auch in der Corona-Pandemie. Deshalb gibt er uns seinen Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. Ja, Covid 19 kann für Menschen auf der ganzen Welt gefährlich werden. Deshalb ist es gut, dass wir besonnen handeln. Es ist gut, dass wir Abstand halten und Masken tragen und an vielen Stellen aufschreiben, an welcher Veranstaltung wir waren.  Und es ist wichtig, dass wir das alles geduldig weiter machen. Viele von uns tun das: Da spüren wir Gottes Geist, der Besonnenheit schenkt!

In den letzten Monaten ist vieles Neue passiert: Nachbarn haben für andere draußen musiziert.  Es wurde sehr viel telefoniert. Die, die sich selten vor die Tür wagten, sollten spüren: „Ich habe dich nicht vergessen.“ Leute haben für andere gekocht und Essen verschenkt. Das alles hat Gottes Geist der Liebe bewirkt.

Covid 19 im Blick zu haben, ist immer angemessen. Aber inzwischen hat sich das Leben wieder verändert. Es ist uns wichtig, dass wir als Gemeinde wieder zusammen kommen können. Klar: Es ist oft umständlich ist, bei allen Veranstaltungen die Sicherheitskonzepte einzuhalten. Es kostet mehr Kraft und vieles macht jetzt mehr Arbeit als sonst: Aber Gottes Geist der Liebe soll unter uns erfahrbar sein.

Deshalb wird für Gäste im Café Paula wieder gekocht und Menschen genießen es, zwar nicht am langen Tisch, aber im selben Raum mit anderen zu speisen.

Deshalb treffen sich Jugendliche und Erwachsene wieder in „ihren“ Gruppen. Und wir freuen uns aneinander!

Deshalb haben wir Konzerte mit Harmonic Brass organisiert. Und diese Konzerte haben unseren Seelen gut getan!

Deshalb sind wir mit der Gemeinde in Haspe gewandert und haben – im gebotenen Abstand – uns an den Menschen und der schönen Landschaft in unseren Stadtteilen gefreut.

Deshalb haben wir für Familien eine Kindersachenbörse organisiert. Und es war gut, dass Leute preisgünstig Kleidung oder anderes kaufen konnten.  

Dass wir so viele Menschen haben, die zupacken und mithelfen, dass diese Veranstaltungen gelingen, sind Geschenke von Gottes Geist der Kraft.

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. Dies kann ich in diesem Jahr an ganz vielen Stellen erleben. Und wie schön, dass wir die Partnerschaft mit der Simalungunkirche haben. Lermianna Girsang erinnert uns an unseren Glauben, an Gott. „Wir wissen, dass unser lieber Gott ist größer als unsere Probleme“, sagt sie.

Die Christen in Simalungun schenken einander zu besonderen Anlässen solch einen Ulos. Er wird Menschen um die Schultern gelegt. Das bedeutet: „So wie dieses Tuch dich umhüllt, möge Gottes Geist dich umhüllen.“  
Am liebsten würde ich jeder und jedem von Ihnen solch einen Ulos um die Schultern legen. Dann könnten Sie Gottes Geist spüren: Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. Amen.  

Und der Friede Gottes, der größer ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus unserem Bruder. Amen.

Fürbitten

Gott, wir danken dir, dass du uns in den letzten Monaten vor vielem Schlimmen bewahrt und so viel Gutes geschenkt hast.

Wir bitten dich für die Christinnen und Christen der Simalungunkirche: Gib ihnen Kraft und Liebe und Besonnenheit. Schenke allen, was sie zum Leben brauchen!

Wir bitten dich für die Flüchtlinge in den Flüchtlingslagern in Griechenland: Lass sie deinen Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit spüren!

Wir bitten dich für die verantwortlichen Politikerinnen und Politiker unserer Regierung: Erfülle sie mit deinem Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.

Lass sie Wege öffnen, damit Menschen in Not zu uns kommen können.

Gott, erfülle uns mit deinem Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit, dass wir deine Liebe weiterschenken.

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich!

Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir
und sei dir gnädig.

Der Herr hebe sein Angesicht auf dich
und gebe dir Frieden. Amen.