15. Sonntag nach Trinitatis - 12. September 2021

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Diakon Tobias Busch - Lektor: Friedrich-Wilhelm Kruse

Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch. 1.Petrus 5, 7

Mit dem Wochenspruch aus dem 1. Petrusbrief begrüße ich Sie zum Gottesdienst am 15. Sonntag nach Trinitatis.

Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Psalm 127

Wenn der HERR nicht das Haus baut,

so arbeiten umsonst, die daran bauen.

        Wenn der HERR nicht die Stadt behütet,

        so wacht der Wächter umsonst.

Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht

und hernach lange sitzet

        Und esset euer Brot mit Sorgen;

        denn seinen Freunden gibt er es im Schlaf.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Wir beten:

Mag das Vertrauen erschüttert sein und der Sorgenberg gigantisch, du, Gott, sagst uns: Sorge dich nicht! Hilf uns, dein Angebot nicht zu überhören! Wenn wir es wahrnehmen, können wir uns dir anvertrauen und jeden neuen Tag mit seiner je eigenen Last bestehen. Hilf uns dazu alle Tage unseres Lebens!

Amen.

 

Lesung 1. Mose 15, 1-6

Es begab sich, dass zu Abram das Wort des HERRN kam in einer Erscheinung:

Fürchte dich nicht, Abram! Ich bin dein Schild und dein sehr großer Lohn.

Abram sprach aber:

Herr HERR, was willst du mir geben? Ich gehe dahin ohne Kinder und mein Knecht Eliëser von Damaskus wird mein Haus besitzen.

Und Abram sprach:

Mir hast du keine Nachkommen gegeben; und siehe, einer aus meinem Haus wird mein Erbe sein.

Und siehe, der HERR sprach zu ihm:

Er soll nicht dein Erbe sein, sondern der von deinem Leibe kommen wird, der soll dein Erbe sein.

Und er hieß ihn hinausgehen und sprach:

Sieh gen Himmel und zähle die Sterne; kannst du sie zählen?

Und sprach zu ihm:

So zahlreich sollen deine Nachkommen sein!

Abram glaubte dem HERRN, und das rechnete er ihm zur Gerechtigkeit.

Amen.

Predigt

Gnade sei mit Euch, und Friede, von dem, der da ist, der da war und der da kommt. Amen

Lukas 17, 5-6

Die Apostel sprachen zu dem Herrn: Stärke uns den Glauben! Der Herr aber sprach: Wenn ihr Glauben hättet wie ein Senfkorn, würdet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Reiß dich aus und verpflanze dich im Meer!, und er würde euch gehorsam sein.

 

Liebe Gemeinde,

 

einen festen Glauben. Wer hätte das nicht gern? Gestärkt in die Zukunft gehen, Herausforderungen trotzen, sich Zweifeln entgegen stellen. Verbundenheit mit Gott spüren, ihn im Rücken als festen Halt wissen.

Seit Beginn der Corona-Pandemie und spätestens seit dem Hochwasser vom 14.07. diesen Jahres, haben wir Menschen in Hagen und weltweit eine Fülle an Herausforderungen erlebt und ich kann mir gut vorstellen, dass bei denen, die ihr Zuhause, ihr Hab und Gut, aber auch Angehörige oder Freunde verloren haben, der Glaube auf eine ganz schöne Probe gestellt worden ist.

Wenn wir etwas oder jemanden verlieren und in vielen anderen Situationen, in denen es vielleicht anders läuft als  es geplant war, wünschen wir uns mehr Glauben. Für uns, aber auch für andere.

So müssen sich die Jünger damals auch gefühlt haben. Lukas beschreibt in seinem Evangelium wie sich Jesus mit den Jüngern auf den Weg nach Jerusalem macht. Jesus sendet sie aus, damit sie Gottes Reich ankündigen können. Gemeinsam verkündigen sie unter anderem den Armen die Gute Nachricht. Mit arm waren aber nicht nur die Menschen mit wenig oder gar keinen finanziellen Mitteln gemeint. Zu den Armen zählten auch die Menschen, die soziale Benachteiligung erfahren haben oder komplett ausgeschlossen wurden.

Jesus ließ Blinde wieder sehen, Gelähmte wieder laufen und teilte mit Zöllnern das Brot. Unter anderem lehrte Jesus seinen Anhängern anhand von Gleichnissen, dass sie Vertrauen in Gottes Versorgung haben sollen.

Jesus stieß aber auch auf Widerstand. Die Treffen mit Israels Leitern waren oftmals hitzig und beide Seiten waren uneinsichtig, von ihren Standpunkten abzulassen.

Dem heutigen Predigttext geht ein Gleichnis zum Thema Vergebung voraus. Die Apostel wünschen sich von Jesus, dass er ihren Glauben stärkt. Das Verhalten der Apostel ist für mich nachvollziehbar und sehr nah an meiner und vielleicht auch ihrer Lebenswelt. Hier sorgen sich Menschen um ihren Glauben. Sie erhoffen sich Stärkung vor den Anfeindungen und Stärkung noch mehr Menschen zu heilen, zu befreien.

Und dann diese Antwort von Jesus. Beim ersten und zweiten Lesen irritierte sie mich etwas.

„Wenn ihr Glauben hättet wie ein Senfkorn...“

Jesus spricht den Jüngern jeden Glauben ab. Wäre ich damals einer der anwesenden Jünger gewesen, dann hätte es mir mit Sicherheit die Sprache verschlagen. Nachdem ich alles stehen und liegen gelassen habe, ich mein Dorf verlassen habe um Jesus zu folgen, dieser Vorwurf? Das schmerzt.

Nach dem ich den Text dann zwei, drei, viermal gelesen hatte, habe ich ein Gefühl für ihn bekommen. Nachdem Jesus den Jüngern ihren Glauben, ihr Gottvertrauen abgesprochen hat, ändert sich die Aussage. Jesus bestärkt sie im Anschluss mit der Zusage, dass schon der kleinste Glaube Gewaltiges bewirken kann. Es geht nicht um die Größe, die Stärke des Glaubens, so wie die Jünger es verstanden haben. Es ist egal ob der Glaube stark oder schwach ist, groß oder klein, fest oder schwankend. Es geht darum, dass selbst ein winziger Glaube, so winzig wie ein Senfkorn, enorme Kraft besitzt. Wer einen solchen Glauben hat braucht nicht um mehr bitten, denn damit kann er schon großes erreichen.

Dem Glauben, der nur so groß wie ein Senfkorn sein muss, stellt Jesus in seinem Gleichnis dem Maulbeerbaum entgegen. Maulbeerbäume können bis zu 20 Meter hoch werden und ein sehr ausladendes Blätterdach entwickeln. Wir haben einen Garten hinter unserem Haus. Als meine Frau und ich 2018 das Haus gekauft haben, war dieser Garten ungepflegt und zugewuchert. Es standen mehrere Bäume im Weg, aber auch kleinere Sträucher mussten entfernt werden. An den Sträuchern habe ich schon gemerkt, dass es gar nicht so einfach ist, wenn man etwas aus dem Boden reißen möchte. Ich stand teilweise schweißgebadet vor einem Strauch und habe vergeblich versucht diesen mit Muskelkraft zu entfernen. Ich kann nur sagen, dass ich nicht sehr erfolgreich mit dieser Taktik war. Die Wurzeln der Bäume konnten wir auch nur mit einem kleinen Bagger entfernen. Aber auch dieser Prozess war langwieriger als erwartet.

Jesus geht sogar noch einen Schritt weiter in seinem Gleichnis, indem er sagt „Reiß dich aus und verpflanze dich im Meer!“ Ich denke nicht, das Jesus das wörtlich meinte. Ich glaube, was Jesus den Jüngern und uns damit sagen möchte man mit dem heutigen Sprichwort „Glaube kann Berge versetzen“ gleichsetzen kann. Er wollte damit ausdrücken: „Das Unmögliche ist möglich, wenn du glaubst“.

Ich finde diesen Gedanken schön. Ich weiß aber auch, dass es nicht immer so einfach ist. Es kann schnell passieren, dass man den Glauben verliert. Die Erfahrung habe ich schon gemacht und Sie wahrscheinlich auch. Als ich vor einigen Jahren jemanden verloren habe, der mir sehr nahe stand, hat mir das den Boden unter den Füßen weggerissen. Ich habe sämtlichen Glauben und Gottvertrauen verloren und bin verzweifelt. Das war keine schöne Zeit. Aber das Leben ging weiter und tut es auch heute noch. Ich habe meinen Glauben wiedergefunden. Wenn man einen Schicksalsschlag erlebt hat, reicht oftmals ein Funken Glaube aus, um einen festen Stand zu behalten oder wiederzuerlangen, um zuversichtlich zu bleiben, dass alles wieder gut werden kann.

Daran erinnert auch der Wochenspruch aus dem 1. Brief des Petrus: Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch. Vertraut auf Gott und egal wie groß oder klein der Glauben sein mag, Gott sorgt sich um uns.

 

Liebe Gemeinde,

 

man kann Glauben nicht optimieren. Es geht nicht um größer, stärker oder mehr Glauben.Glaube ist keine Kompetenz, keine Fähigkeit. Er ist da oder eben nicht.

Glaube und Gottvertrauen zeigen sich oft auch anders als man es erwartet.

In vielen Situationen habe ich schon den Glauben an die Menschen verloren. Kriege, Terror, Klima- und Corona- Leugner.

Seit dem Hochwasser in Juli habe ich aber ein wenig dieses Glaubens zurückfinden können. Die Flut war für mich eine Art Senfkornerfahrung. Eine unglaubliche Solidarität war in Deutschland zu spüren. Viele Menschen kramten in ihren Kleiderschränken und Vorratsschränken, holten die Kisten mit aussortieren Haushaltswaren hervor oder spendeten Geld für die, die es dringender brauchten. Wie viele Menschen gingen einfach zu wildfremden Menschen und halfen dabei, ohne viele Worte dafür mit Muskelkraft, ein Haus wieder bewohnbar zu machen.

Und die Betroffenen Menschen wussten gar nicht wie ihnen geschah. Das Unglaubliche war auf einmal möglich geworden. Aus einer großen Katastrophe entwickelte sich auf einmal etwas ganz wunderbares.

Und wieder einmal wurde klar: Es reicht wahrzunehmen und wertzuschätzen, was man hat und das man leben kann. Das wird seine Kraft entfalten. Es wird immer weitergehen wenn man nur daran glaubt. Dies wird immer Gottes Geschenk an uns Menschen sein und bleiben. Bleiben Sie gesund und werfen Sie ihre Sorgen auf Gott.

Denn er sorgt für Sie. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne, in Jesus Christus. Amen.

Fürbitten

Gott unseres Lebens, wir wollen darauf vertrauen, dass dir keine Sorge zu groß und kein Glaube zu klein ist: Du sorgst für uns! 

Wir denken an alle, deren Vertrauen ins Leben so erschüttert ist, dass Angst den Alltag bestimmt. So viele Menschen auf Erden sind traumatisiert durch die Erfahrung von Terror, Flucht oder Krieg.

Wir bitten dich: Hilf ihnen, dass ihre Last leichter werden kann!

Wir denken an Menschen weltweit, die unter den Folgen der Corona-Pandemie leiden, weil sie krank sind, einen lieben Menschen verloren haben, in Sorge um die Gesundheit Angehöriger sind.

Wir bitten dich: Schenke Zuversicht und lass die Hoffnung nicht erlöschen!

Wir denken an alle, die den Mut haben, sich für eine gerechtere und bessere Welt einzusetzen mit ihrer Fürsprache, ihrer Lebensweise, ihrem Mitdenken.

Wir bitten dich: Stärke sie in ihrem Vertrauen und schenke ihnen Mut.

Bleibe bei uns guter Gott, in all unseren Zweifeln, wenn unsere Glaube klein wird und die Widrigkeiten groß – halte uns aus und hilf uns, auszuhalten.

Vater Unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme,

dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Segen

Gehet hin im Frieden des Herrn. – Gott sei ewiglich Dank.

Gott segne dich und behüte dich!

Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir

und sei dir gnädig.

Gott hebe sein Angesicht auf dich

und schenke dir Seinen Frieden.

Amen.