14. Sonntag nach Trinitatis - 05. September 2021

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Pfarrer Martin Schwerdtfeger - Lektorin: Cornelia Schmidt

Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. Psalm 103,2

Wie schnell vergessen wir etwas – einen Namen, einen Termin, ein Wort, auch das Lob Gottes. Der Wochenspruch ruft uns Gott ins Gedächtnis, damit wir das Gute, das er uns schenkt, nicht vergessen und ihm danken.

Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Psalm 146

Halleluja! Lobe den Herrn, meine Seele!

Ich will den Herrn loben, solange ich lebe,

und meinem Gott lobsingen, solange ich bin.

Verlasset euch nicht auf Fürsten;

sie sind Menschen, die können ja nicht helfen.

Denn des Menschen Geist muss davon,

und er muss wieder zu Erde werden;

dann sind verloren alle seine Pläne.

Wohl dem, dessen Hilfe der Gott Jakobs ist,

der seine Hoffnung setzt auf den Herrn, seinen Gott,

der Himmel und Erde gemacht hat,

das Meer und alles, was darinnen ist;

der Treue hält ewiglich,

der Recht schafft denen, die Gewalt leiden,

der die Hungrigen speiset.

Der Herr macht die Gefangenen frei.

Der Herr macht die Blinden sehend.

Der Herr richtet auf, die niedergeschlagen sind.

Der Herr liebt die Gerechten.

Der Herr behütet die Fremdlinge

und erhält Waisen und Witwen;

aber die Gottlosen führt er in die Irre.

Der Herr ist König ewiglich,

dein Gott, Zion, für und für. Halleluja!

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Tagesgebet

Gnädiger Gott, oft vergessen wir, nach dir zu fragen. Öffne unsere Herzen, damit wir nach deiner Nähe suchen. Du schenkst uns Zeit, damit wir innehalten und für deine Begleitung danken können. Danke, dass deine Treue zu uns nicht aufhört. Hilf uns, nach deinem Willen zu leben; das bitten wir durch unseren Bruder Jesus Christus, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und Leben schenkt in Ewigkeit. Amen.

Lesung Römer 8, 14-17

Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet; sondern ihr habt einen Geist der Kindschaft empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater!

Der Geist selbst gibt Zeugnis unserm Geist, dass wir Gottes Kinder sind. Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, da wir ja mit ihm leiden, damit wir auch mit ihm zur Herrlichkeit erhoben werden.

Predigt

Die Gnade Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

1. Thessalonicher 5,14-24

Wir bitten euch: Weist die Nachlässigen zurecht, tröstet die Kleinmütigen, tragt die Schwachen, seid geduldig mit jedermann.

Seht zu, dass keiner dem andern Böses mit Bösem vergelte, sondern jagt allezeit dem Guten nach, füreinander und für jedermann.

Seid allezeit fröhlich, betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch.

Den Geist löscht nicht aus. Prophetische Rede verachtet nicht. Prüft aber alles und das Gute behaltet. Meidet das Böse in jeder Gestalt.

Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt, untadelig für das Kommen unseres Herrn Jesus Christus. Treu ist er, der euch ruft; er wird’s auch tun.

Liebe Gemeinde,

der Ton macht die Musik. Das, was gesagt wird, kommt unterschiedlich an je nachdem, wie es gesagt wird.

Eine freundlich ausgesprochene Bitte nehme ich anders auf als eine strenge Mahnung. Ein höflicher Hinweis kommt eher an als eine Forderung im Befehlston. Ein Lächeln spricht mich mehr an als ein erhobener Zeigefinger.

Die Worte von Paulus wirken leicht und sympathisch. Deshalb höre ich gerne hin.

Als Paulus seinen Brief an die Christen in Thessaloniki schreibt, liegt die Gründung der Gemeinde nur gut ein Jahr zurück, so um das Jahr 50 nach Christus.

Paulus befindet sich auf seiner zweiten Missionsreise. Thessaloniki, die Hauptstadt der Provinz Mazedonien, ist eine pulsierende Hafenstadt mit einem Gemisch vieler Völker und Religionen.

Schon bald nach der Gemeindegründung hat es Querelen gegeben; Paulus musste die Stadt fluchtartig verlassen. Aber die Gemeinde liegt ihm am Herzen. Er ist besorgt über Nachrichten, die er aus Thessaloniki erhalten hat. Anfeindungen der heidnischen Landsleute stellen die junge Gemeinde auf eine ernste Probe. Paulus ist weit weg und er kann nicht selbst nach Thessaloniki reisen. Darum schickt er seinen Begleiter Timotheus nach Thessaloniki, damit der nach dem Rechten schaut. Das dauert, quälend muss die Ungewissheit sein, bis Timotheus nach Monaten zurück ist und Bericht erstattet. Die Nachrichten, die Timotheus bringt, beruhigen und erfreuen Paulus. Die junge Gemeinde besteht noch und hat sich gut eingerichtet. Erleichtert schreibt er den Brief, den wir heute als 1. Thessalonicherbrief kennen. Erleichtert und dankbar.

Und am Ende dieses Briefes steht dann unser Predigttext mit 14 Aufforderungen – klar und deutlich formuliert, ohne Drohungen und Rechthaberei.

So kann er geduldig aufzählen, was das Zusammenleben in der Gemeinde leichter macht.

Wir bitten euch: Weist die Nachlässigen zurecht, tröstet die Kleinmütigen, tragt die Schwachen, seid geduldig mit jedermann.

Gegenseitige Korrekturen sind nötig, die aufzeigen, was möglich ist. Gemeinde soll Mut machen, trösten und Lasten gemeinsam tragen. Und wenn auch nicht alles sofort gelingt, dann hilft ein langer Atem. Wenn Menschen zusammen sind, gibt es Spannungen und Konflikte, aber dafür lassen sich Lösungen finden.

Seht zu, dass keiner dem andern Böses mit Bösem vergelte, sondern jagt allezeit dem Guten nach, füreinander und für jedermann.

Kränkungen und Verletzungen sollen angesprochen werden. Sie sollen das Klima nicht vergiften. Deshalb braucht es die Bereitschaft zu verzeihen und Mut zu Neuanfängen.

Seid allezeit fröhlich, betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen …

Kann das gelingen? Oder legt Paulus jetzt die Messlatte zu hoch? … allezeit … ohne Unterlass … in allen Dingen …

Paulus ist lebenserfahren und hat in seinem Leben schon etliche Schicksalsschläge erdulden müssen. Er erwartet nicht, dass Christen in schwierigen Situationen fröhlich pfeifend schweres Leid durchstehen. Nein, er versucht den Thessalonichern zu verdeutlichen, dass Christen, auch im Leid Freude erleben können, weil sie wissen, dass sie von Gott geliebte und angenommene Menschen sind.

Es geht ihm nicht um ein Dauerlächeln oder ein ständiges Lobpreissingen. Menschen, die solchen Mustern folgen, sind oft am Boden zerstört, wenn Schicksalsschläge ihren Glauben anfechten. Es geht um Zutrauen: Gott ist dennoch an unserer Seite.

Auch wenn es schwierig wird, wenn wir meinen, wir verlieren den Mut, dann will Gott uns halten und Wege eröffnen. Deshalb fügt Paulus noch eine große Portion Evangelium an:

Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt, untadelig für das Kommen unseres Herrn Jesus Christus. Treu ist er, der euch ruft, er wird’s auch tun.

Ein Segenswunsch aus tiefstem Herzen. Er umfasst den ganzen Menschen in all seinen Lebensbezügen von Körper, Geist und Seele. Dass das Zusammenleben in den inneren und äußeren Beziehungen gut gelingen möge, das wünscht sich Paulus für seine Gemeinde.

Und das wünsche ich uns. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Fürbitten

Gott des Lebens, lass uns dankbar sein für deine Wegweisung im Leben.

Und dafür, dass du uns Menschen an die Seite stellst, die zu uns stehen, auch wenn wir versagen.

Menschen, die uns Mut machen, wo wir aufgeben wollen; die uns trösten, wenn wir traurig sind, die mit uns lachen und Freude teilen.

 

Wir bitten für die Menschen, deren Glaube brüchig geworden ist, die zweifeln und keinen Ausweg finden: Schicke ihnen Menschen, die von deiner Güte und Treue erzählen.

 

Wir bitten für Menschen, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden: Lass sie keine Anfeindungen erleben, sondern eine neue Heimat finden.

 

Wir bitten für die Menschen, die in Regierungen Verantwortung tragen, dass sie die richtigen Entscheidungen für das Wohl der Völker treffen. Gib ihnen gute Ratgeber.

 

Wir bitten für Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte, dass sie ihre schweren und verantwortungsvollen Aufgaben mit Kraft, Ausdauer und Zuversicht angehen und sich nicht entmutigen lassen.

 

Wir danken dir, dass du den Forschenden beistehst.

Wir danken dir für Erzieherinnen und Lehrer, die sich für Kinder und Jugendliche einsetzen, damit sie für das Leben gerüstet sind.

Danke, dass deine Gnade ewig währt.

Danke, dass wir jederzeit zu dir kommen dürfen. Amen.

Vater Unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme,

dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Segen

Gehet hin im Frieden des Herrn. – Gott sei ewiglich Dank.

Gott segne dich und behüte dich!

Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir

und sei dir gnädig.

Gott hebe sein Angesicht auf dich

und schenke dir Seinen Frieden.

Amen.