12. Sonntag nach Trinitatis - 30. August 2020

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Pfarrerin Elke Schwerdtfeger - Lektorin: Cornelia Schmidt

Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.

Jesaja 42,3a

 

Ich grüße Sie mit dem Wochenspruch zum 12. Sonntag nach dem Trinitatisfest.

An diesem Sonntag geht es um die Frage, was gibt Halt in unserem Leben.

Eröffnung

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.

Der Psalm dieses Sonntages ist der 147. Psalm:

Lobet den HERRN! / Denn unsern Gott loben,

das ist ein köstlich Ding,

ihn loben ist lieblich und schön.

Der HERR baut Jerusalem auf

und bringt zusammen die Verstreuten Israels.

Er heilt, die zerbrochenen Herzens sind,

und verbindet ihre Wunden.

Er zählt die Sterne

und nennt sie alle mit Namen.

Unser Herr ist groß und von großer Kraft,

und unermesslich ist seine Weisheit.

Der HERR richtet die Elenden auf

und stößt die Frevler zu Boden.

Der HERR hat Gefallen an denen, die ihn fürchten,

die auf seine Güte hoffen.

Lesung 1. Korinther 3, 9-17

Wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau.

Nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe ich den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut.

Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.

Wenn aber jemand auf den Grund baut Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh,

so wird das Werk eines jeden offenbar werden. Der Tag des Gerichts wird es ans Licht bringen; denn mit Feuer wird er sich offenbaren. Und von welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erweisen.

Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen.

Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch.

Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?

Wenn jemand den Tempel Gottes zerstört, den wird Gott zerstören, denn der Tempel Gottes ist heilig – der seid ihr.

Amen.

Predigt

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und unserem Bruder, Jesus Christus. Amen.

Baustellen sind interessant, liebe Gemeinde.

In den letzten Monaten wurde bei uns in Wehringhausen der Wilhelmsplatz umgebaut. Jedes Mal, wenn ich da vorbei gekommen bin, habe ich geschaut: Was hat sich seit dem letzten Besuch verändert?

Auch andere Erwachsene und Kinder stehen fasziniert da. Sie bestaunen die großen Bagger. Sie sind interessiert an den Plänen. Ich staune, wie viele Schichten Material erforderlich sind, um den Straßenbelag aufzubauen, bis endlich die letzte glatte Schicht Asphalt aufgetragen wird.

Auch selber zu bauen macht Spaß: Kinder lieben es im Sandkasten oder am Strand zu bauen. Handwerklich geschickte Erwachsene finden immer etwas, was sie in der Wohnung verschönern können, was sie reparieren oder umbauen können. Man hat eine Idee, kann planen, mit den Händen gestalten und sieht hinterher das Ergebnis.

„Ihr seid Gottes Bauwerk“, schreibt Paulus an die Menschen in Korinth. „Wir sind Gottes Mitarbeiter. … Ich habe den Grund gelegt. … Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut.“

Paulus vergleicht das Leben eines Menschen mit einem Gebäude.

Gott baut mein Leben. Klar. Ohne ihn hätte ich mein Leben nicht.

Andere haben das Fundament gelegt. Auch das ist leicht zu verstehen. Wir sind geprägt durch die Erziehung, durch Erfahrungen in der Kindheit, durch die Lebensumstände.

Wichtig ist aber auch: Jeder von uns hat die Verantwortung selber mit zu bauen. „Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut.“ Ich muss Ideen entwickeln, entscheiden, ich muss arbeiten für das „Haus meines Lebens“. Wir sind Gottes Mitarbeiter.

Wie sieht das „Haus“ Ihres Lebens aus? Was ist wichtig an Ihrem Leben? Was hat da Raum?

Bei mir ist die Familie wichtig. Mein Mann, meine Kinder, Schwiegerkinder und Enkel. Da fühle ich mich zuhause. Und in dem Teil des Hauses wird bei uns zur Zeit viel umgebaut.

Familienmitglieder kommen hinzu. Kinder werden geboren. Es wird „angebaut“. Das freut mich sehr. Ich kann mitbauen, die Beziehungen mit gestalten. 

Ein anderer wichtiger Teil meines Lebenshauses ist der Beruf. Gerne bin ich Pfarrerin, in der Gemeinde und als Seelsorgerin im Krankenhaus. Auch da verändert sich immer wieder etwas. Aber auch hier kann ich mitarbeiten, mit bauen. Das ist gut.

Menschen erleben auch, dass es manchmal heftige Veränderungen in ihrem Leben gibt.

Ein geliebter Mensch wird schwer krank. Plötzlich verschiebt sich viel. Eine bisher „sichere Stützmauer“ bricht weg, zum Beispiel weil der andere nicht mehr arbeiten kann und das Geld dann einfach fehlt.

Oder jemand stirbt. Es ist, als ob ein Teil des Hauses zusammenbricht.

Manchmal gehen Beziehungen kaputt. Da müssen Räume verändert, Mauern eingerissen werden, neue gebaut werden. Da kostet Kraft, ist mit Anstrengungen verbunden. So ist das beim Hausbau.

Einige Menschen erleben, dass sie ihr bisheriges Lebenshaus ganz aufgeben müssen. Die politischen Umstände werden so schlimm, dass sie aus ihrer Heimat fliehen müssen. Sie wissen nicht, ob sie lebend woanders ankommen. Und in der Fremde müssen sie ganz neu anfangen.

Einige alt gewordene Menschen unter uns haben das während des 2. Weltkrieges selbst erlebt. Andere von uns, die aus anderen Ländern kommen, haben es in den letzten Jahren erlitten.

Was macht das Haus meines Lebens stabil? Was trägt das Ganze? Was gibt Halt, auch wenn Mauern einstürzen oder ich ganze Bereiche meines Lebenshauses nicht mehr betreten kann, zum Beispiel weil ich aus Krankheitsgründen nicht mehr arbeiten kann?

Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.

Das sagt Paulus. Jesus Christus, der Gekreuzigte und Auferstandene, der ist das Fundament unseres Lebenshauses. Dieses Fundament trägt.

Wenn ich auf Christus vertraue, bekomme ich Halt.

Wenn ich mich daran erinnere, dass ich getauft bin, fühle ich wieder festen Boden unter den Füßen.

Ich gehöre zu Gott. Gott lässt mich nicht fallen.

Wenn ganz viel in meinem Leben einstürzt, ist das schrecklich. Aber dennoch hält mich Jesus Christus.

Darauf kann ich immer wieder neu aufbauen.

 Dabei ist ganz egal, wo ich bin.

Hier kommt das Bild „ Mein Leben ist wie ein Haus“ an seine Grenzen. Unser Leben ist nicht nur an einem Ort. Selbst wenn ich weg muss, fliehen aus meiner Heimat: Christus geht mit und hält mich auch in der Fremde. Jesus Christus ist das Fundament meines Lebens, ganz egal wo ich bin.

Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.

Uns daran zu erinnern, ist mir heute am wichtigsten.

Auf diesem Fundament, auf diesem Grund bauen wir. Wir sind Gottes Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wir haben mit Verantwortung für das Haus unseres eigenen Lebens.

Paulus schreibt diesen Brief aber nicht an einen einzelnen Menschen. Er schreibt an die Gemeinde in Korinth. Das Bild vom Hausbau gilt auch für uns als Gemeinde.

Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.

Das gilt auch für das Haus unserer Gemeinde, der christlichen Kirche.

Auch da sind wir Mitarbeitende. Auch da haben wir Verantwortung für das gesamte Bauwerk.

Das Gebäude „Gemeinde“ ist auch in ständigem Umbau begriffen. Es ist nie fertig. Wie schön!

Immer kommen neue Menschen hinzu. Es wird angebaut. Es wird umgebaut, je nachdem was gebraucht wird: Raum zum Musizieren, Platz für Kinder, ruhigere Bereiche für alt gewordene, einen großen Essbereich mit Platz für jede und jeden.

Wie schön, dass Gott uns als Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ernst nimmt und freie Hand gibt, unsere Ideen einzubauen. Manches muss auch mal abgerissen werden. Das ist nicht schlimm. Manchmal streiten sich auch verschiedene Bauleute. Auch nicht schlimm. Das lässt sich regeln.

Wichtig ist, dass uns allen bewusst ist: Wir bauen am Haus Gottes. Und wir bauen auf dem Fundament Jesus Christus.

Viel Freude beim weiteren Planen und Bauen! Gott gebe seinen Segen dazu.

Amen.

 

Und der Friede Gottes, der größer ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus unserem Bruder. Amen.

Wir beten:

Herr Jesus Christus, wir danken dir, dass du das Fundament unseres Lebens bist, dass du uns immer trägst.

Wir bitten Dich für alle Menschen, die das Gefühl haben, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Für alle, die meinen, ihr Lebenshaus bricht zusammen: Gib du ihnen Halt!

Wir bitten dich für alle Menschen, die sich allein und einsam fühlen im Haus ihres Lebens: Gib du ihnen Menschen, die ein Stück des Lebens mit ihnen teilen.

Wir bitten dich für alle, die dich nicht in ihrem Leben finden und meinen, alles selber zu können: Begleite sie dennoch!

Wir bitten dich für alle Menschen, die versuchen als Gottes Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am „Haus Gemeinde“ mitzubauen: Gib ihnen Phantasie und Kraft, das Haus gastfreundlich zu gestalten, so wie du es möchtest.

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Gehet hin im Frieden des Herrn.

Gott segne dich und behüte dich!

Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir
und sei dir gnädig.

Gott hebe sein Angesicht auf dich
und gebe dir Frieden.

Amen.