11. Sonntag nach Trinitatis - 15. August 2021

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Prädikant Matthias Mladek - Lektorin: Cornelia Schmidt

Mit dem Wochenspruch aus dem 1. Petrusbrief begrüße ich Sie herzlich zum Gottesdienst aus der Pauluskirche.

Am 11. Sonntag nach Trinitatis hören wir die Erzählung vom Pharisäer und Zöllner und erfahren, dass unser Glaube nicht unser Verdienst, sondern die Gabe Gottes ist. Wir freuen uns an dieser Gabe, aber wir erkennen auch, dass wir dennoch fähig sind, gegen den Willen Gottes zu handeln. Darum sind wir froh und dankbar, dass Gott uns immer wieder die Möglichkeit zur Buße, zur Umkehr schenkt.

Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Psalm 122

Der Herr ist getreu in all seinen Worten

und gnädig in allen seinen Werken.

     Der Herr hält alle, die da fallen,

     und richtet alle auf, die niedergeschlagen sind.

Aller Augen warten auf dich,

und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit.

     Du tust deine Hand auf

     und sättigst alles, was lebt, nach deinem Wohlgefallen.

Der Herr ist nahe allen, die ihn anrufen,

allen, die ihn ernstlich anrufen.

     Er tut, was die Gottesfürchtigen begehren,

     und hört ihr Schreien und hilft ihnen.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Tagesgebet

Lasst uns beten:

Guter Gott,

aus deiner Gnade sind wir,

was wir sind,

 

Zu Dir kommen wir,

um Schweres abzulegen,

Du Gott, der Lasten mitträgt.

 

Zu Dir kommen wir,

um Dein Wort zu hören,

du Gott, der uns viel zu sagen hat.

 

Zu Dir kommen wir,

um uns trösten zu lassen,

du Gott, der mitfühlt.

Deinen Namen loben wir,

heute und in Ewigkeit

Amen

Lesung Lukas 18, 9-14

9 Er sagte aber zu einigen, die sich anmaßten, fromm zu sein, und verachteten die andern, dies Gleichnis:

10 Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner.

11 Der Pharisäer stand für sich und betete so: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner.

12 Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme.

13 Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig!

14 Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.

AMEN

 

Predigt

Gnade sei mit Euch, und Friede, von dem, der da ist, der da war und der da kommt. Amen

 

Liebe Gemeinde,

 

eigentlich ein Predigttext, der sich selbst erklärt. In zwei Sätzen abgehandelt.

Der hochmütige Pharisäer macht alles falsch. Der reumütige Zöllner hat alles richtig gemacht.

So, fertig, das war's. Oder?

Nicht wirklich! In dem Text ist weitaus mehr zu entdecken.

 

In dem Text steht viel mehr über Jede und Jeden von uns, als wir vielleicht auf den ersten Blick ahnen.

Nehmen wir die folgende – ausgedachte - Szene, wie wir sie bei Treffen der Frauenhilfe

oder in anderen Gemeindeveranstaltungen sicher schon einmal erleben konnten:

Diese getuschelten Gespräche, hinter vorgehaltener Hand:

Tja, hier tut die, nennen wir sie Ilse, immer so fromm,

aber wann war die denn das letzte mal am Sonntag im Gottesdienst?

 

Oder den Tratsch im Hausflur, im Büdchen an der Ecke, an der Kasse im Supermarkt:

Pst, die hatte gestern wieder Streit mit ihrem Mann,

geschimpft hat die, wie ein Rohrspatz, ich bin fast rot geworden,

also wirklich, solche Ausdrücke....

 

Zu Hause, im Büro, auf der Straße, in der Gemeinde,

schnell sind wir manchmal dabei, die Fehler des Anderen,

die Schwächen der Anderen zu sehen, und ebenso schnell

haben wir auch unser Urteil gefällt.

Ich behaupte einfach mal, so ganz unbekannt und fremd ist uns

der Pharisäer nicht:

 

„Gut, dass ich mit dem oder der nichts am Hut habe...“

Wer hat das nicht schon einmal gedacht.

Und wie falsch wir dabei liegen können, macht das Beispiel der Frau aus der Frauenhilfe,

wir haben sie Ilse genannt, deutlich:

 

Als ich die Szene berichtete, hatte ich eine Frau vor Augen, die ich vor Jahren gekannt habe...

Damals war ich selbst noch ein Jugendlicher, vielleicht gerade ein junger Erwachsener...

Die Frau, die ich Ilse genannt habe, pflegte zu Hause Ihren Mann,

mit dem Pflegedienst hatte sie abgesprochen, dass er am Mittwochnachmittag gebadet wird,

die Verbände werden gewechselt. Dann hatte Ilse mehr als eine Stunde Zeit.

Zeit für die Frauenhilfe. Das war ihr wichtig. Ilse hat nie gerne davon erzählt:

„Dann sagen immer alle, wie gut und stark ich bin, mit über 80 Jahren, so viel zu leisten. Das ist mir peinlich“

 

Oft kennen wir nur die halbe Wahrheit. Was weiß der Pharisäer wirklich über die Leute,

über Räuber, Betrüger und Ehebrecher?

Was wissen wir wirklich, wenn wir über diese oder jenen urteilen?

Jesus macht mit seinem Gleichnis deutlich:

Es ist nicht unsere Aufgabe, andere zu beurteilen.

Jesus hat es uns vorgemacht:

Er macht keine Unterschiede, bei ihm ist jeder willkommen,

mit allen seinen oder ihren Fehlern.

Bei Jesus sind wir willkommen, mit all unseren Schwächen und Unzulänglichkeiten.

Das ist tröstend und ermutigend.

 

Und dann ist da der Zöllner.

„Gott, sei mir Sünder gnädig“ betet er.

Ich selbst benutze das Wort Sünde nicht oft, ja sogar sehr ungern.

Zu oft wird es, finde ich, missbraucht.

Missbraucht, als Mittel zur Unterdrückung, um Macht auszuüben,

als Rechtfertigung für Strafe, als Mittel für religiösen Fanatismus.

Ich maße mir selbst nicht an, dass mein Glaube der einzig richtige, der bessere, der wahre Glaube sei.

So bewundere ich jeden Menschen, der seinen Glauben überzeugt und aufrichtig lebt,

egal ob er den, an den er glaubt, das woran er glaubt nun

Gott, Allah, Jahwe, Jehowa, Budda oder sonst wie nennt.

 

Ich bin aber der festen Überzeugung:

Religion hat den Sinn und Zweck, uns zu freien, hoffnungsvollen, nächstenliebenden Menschen zu machen.

Religion ist niemals und darf niemals gegen Menschen gerichtet werden.

Niemals Grund und Rechtfertigung für Ausgrenzung, Benachteiligung Hass und Gewalt sein.

Und deshalb passt es nicht zu meinem Glauben, Angst zu schüren,

mit der Verdammnis zu drohen und Menschen als Sünder ab zu stempeln.

Deshalb rede ich lieber von Fehlern und Schwächen, die ich habe,

die wir haben, die jeder Mensch hat und begeht.

Als Menschen sind wir weit davon entfernt, perfekt zu sein.

 

Immer und immer wieder begehen wir Fehler,

immer und immer wieder, sind wir nicht da, wenn Mitmenschen unsere Hilfe brauchen.

Immer und immer wieder schweigen wir, wenn wir Ungerechtigkeit und Unrecht

beim Namen nennen müssten.

Immer und immer wieder pflegen wir unsere Vorurteile und schweigen, wenn wieder einmal jemand sagt:

Ich hab ja nichts gegen Ausländer, aber....

 

Als Christinnen und Christen ist uns das bewusst, jeden Sonntag bekennen wir vor Gott,

dass wir schwach sind, dass wir Fehler gemacht haben.

Aber als Christinnen und Christen kennen wir auch den Ausweg:

Wir beten zu Gott mit den Worten, die uns der Zöllner im Gleichnis vorspricht:

Gott sei mir Sünder gnädig, sagt er, der allmächtige Gott erbarme sich unser, beten wir.

Wir dürfen auf Gottes Liebe und Güte hoffen,

Gott vergibt, wo Menschen das oft nicht schaffen.

Gott verzeiht, wo Menschen starrköpfig bleiben.

Gott tröstet, wo Menschen einander verletzen.

 

Aus diesem Glauben heraus, können wir leben wagen,

können wir unseren Weg gehen, frohen Mutes sein.

Mit dem Versprechen Gottes, das mit Jesus lebendig und spürbar wurde,

mit dem Versprechen, das unsere Fehler und Schwächen uns niemals für immer

von Gott trennen können, können wir unser Leben frei, glücklich und mutig leben.

 

Amen

 

Und der Friede Gottes,

der höher ist als all unsere Vernunft,

bewahre unsere Herzen und Sinne,

in Jesus Christus, unserem Bruder

Amen

Fürbitten

Guter Gott,

Sei mit denen,

die sich klein fühlen

und hilflos inmitten von unerfüllten Ansprüchen.

Schenk ihnen deine Gnade.

 

Sei mit denen,

die krank sind

und ihr Leben mit Schmerzen bewältigen müssen.

Schenk ihnen deine Gnade.

 

Sei mit denen,

die sich in der Welt,

so wie sie ist,

fremd fühlen

und sich nach einer anderen sehnen.

Schenk ihnen deine Gnade.

 

Sei mit denen,

die vor Kraft strotzen

und jeden Tag voller Energie angehen.

Schenk ihnen deine Gnade.

 

Sei bei denen,

die sich stets selbst überfordern,

die Ihre Grenzen missachten

und sich selbst schädigen

Schenk ihnen Deine Gnade

 

Sei bei den Trauernden und Verzweifelten,

bei den Einsamen und Verlassenen,

bei denen, deren Hoffnung schwindet

Schenk ihnen Deine Gnade.

 

Und alles,

was uns sonst noch bewegt,

bringen wir vor Dich,

mit den Worten,

die Du selbst uns geschenkt hast:

Vater Unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme,

dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Segen

Gehet hin im Frieden des Herrn. – Gott sei ewiglich Dank.

Gott segne dich und behüte dich!

Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir

und sei dir gnädig.

Gott hebe sein Angesicht auf dich

und schenke dir Seinen Frieden.

Amen.