10. Sonntag nach Trinitatis - 08. August 2021

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Prädikantin Barbara Terweiden und Gemeindepädagoge Tobias Busch

Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist, dem Volk das er zum Erbe erwählt hat.

Mit diesem Wochenspruch begrüße ich Sie am heutigen 10. Sonntag nach Trinitatis.

Unser Gemeindepädagoge Tobias Busch befindet sich in der Ausbildung zum Prädikanten; das ist sehr schön. Er wird in diesem Gottesdienst die Predigt halten.

Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Wir beten:

Treuer Gott, in Jesus bist du Mensch geworden, inmitten des jüdischen Volkes, zum Heil der Welt; du bist treu geblieben dem Volk, das du erwählt hast. Aber du hast seine Grenzen überschritten und Menschen aus allen Völkern zu deinem Volk berufen. Stärke unser Verlangen nach deinem Reich, in dem beide, Juden und Christen, vereint sein werden, dich zu loben in Ewigkeit.

AMEN

Psalm 122

Ich freute mich über die, die mir sagten: Lasset uns ziehen zum Hause des Herrn!

Nun stehen unsere Füße in deinen Toren, Jerusalem.

Jerusalem ist gebaut als eine Stadt, in der man zusammenkommen soll,

wohin die Stämme hinaufziehen, die Stämme des Herrn,

wie es geboten ist dem Volk Israel, zu preisen den Namen des Herrn.

Denn dort stehen Throne zum Greicht, die Throne des Hauses David.

Wünschet Jerusalem Frieden! Es möge wohlgehen denen, die dich lieben!

Es möge Friede sein in deinen Mauern und Glück in deinen Palästen!

Um meiner Brüder und Freunde willen will ich dir Frieden wünschen.

Um des Hauses des Herrn willen, unseres Gottes, will ich dein Bestes suchen.


Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Lesung Markus 12, 28-34

Und es trat zu ihm einer der Schriftgelehrten, der ihnen zugehört hatte, wie sie miteinander stritten. Als er sah, dass er ihnen gut geantwortet hatte, fragte er ihn: Welches ist das höchste Gebot von allen? Jesus antwortete: Das höchste Gebot ist das: »Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und mit all deiner Kraft«. Das andre ist dies: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«. Es ist kein anderes Gebot größer als diese. Und der Schriftgelehrte sprach zu ihm: Ja, Meister, du hast recht geredet! Er ist einer, und ist kein anderer außer ihm; und ihn lieben von ganzem Herzen, von ganzem Gemüt und mit aller Kraft, und seinen Nächsten lieben wie sich selbst, das ist mehr als alle Brandopfer und Schlachtopfer. Da Jesus sah, dass er verständig antwortete, sprach er zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes. Und niemand wagte mehr, ihn zu fragen.

Predigt

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Bruder Jesus Christus. Amen.

Heute ist ein besonderer Sonntag im Kirchenjahr. Es ist Israelsonntag. Heute ist ein Sonntag, dessen Botschaft sich in den letzten Jahrzehnten verändert hat. Zu Beginn lag der Fokus der Predigten auf der zweifachen Zerstörung des Tempels in Jerusalem. Zuerst 587/586 vor Christus durch die Babylonische Streitmacht und dann schließlich 70 nach Christus durch die Römer. 

Am Israelsonntag haben wir jedes Jahr wieder an diese Niederlagen erinnert und christliche Prediger die Juden verhöhnt. Gerade in der Zeit des Nationalsozialimus waren die Häme und der Hass gegen die Juden in vielen Menschen tiefverwurzelt.

Und auch jetzt, in der Gegenwart, gibt es wieder vermehrt Menschen, die antisemitisches oder antijudaistisches Gedankengut entwickeln und verbreiten. Das ist nicht nur schade, sondern sehr gefährlich.

Aus diesem Grund möchte ich heute gemeinsam mit Euch und Ihnen den zweiten Aspekt des Israelsonntag anschauen, die Verbundenheit zwischen Christen und Juden.

 

Ich lese zunächst den Predigttext aus dem 2. Buch Mose. Es sind die Verse 1-6 im 19. Kapitel.

Genau 3 Monate nach dem Auszug aus Ägypten kamen die Israeliten in die Wüste Sinai.

Sie waren von Refidim aufgebrochen und erreichten nun die Wüste Sinai.

In der Wüste schlugen Sie ihr Lager auf.

Dort lagerte sich Israel am Fuß des Berges, Mose aber stieg zu Gott hinauf.

Da rief ihm der Herr vom Berg aus zu:

Sag es dem Haus Jakob! Verkünde es den Israeliten:

Ihr habt gesehen, was ich den Ägyptern angetan habe. 

Euch aber habe ich wie ein Adler auf Flügeln getragen und hierher zu mir gebracht.

Hört jetzt auf meine Stimme und haltet meinen Bund!

Dann sollt ihr mein Eigentum sein unter allen Völkern.

Denn mir gehört die ganze Erde.

Ihr aber sollt für mich ein Volk von Priestern sein, ein heiliges Volk.

Diese Worte sollst du den Israeliten sagen.“

Liebe Gemeinde,

das Ankommen am Berg Sinai und das Aufsteigen von Mose den Berg hinauf, ist ein Höhepunkt des 2. Buch Mose, auch Exodus genannt. Gott hat Israel aus der Sklaverei in Ägypten geführt. Gott hat dafür gesorgt, dass Israel der Unterdrückung durch den Pharao entfliehen konnte. 

Den Menschen wurde die Freiheit geschenkt. Wobei geschenkt nicht unbedingt so ganz stimmt, wie sich später herausstellen wird. Es geht hier nicht um eine Freiheit, bei der die Israeliten tun und lassen können, was und wann sie wollen. Vielmehr schenkt Gott ihnen die Möglichkeit einen Bund mit ihm einzugehen. Im Rahmen dieses Bundes schenkt Gott die Freiheit zu einem erfüllten Leben und einem Leben in Geborgenheit. Dieser Bund ist etwas ganz besonderes. Er ist die Weiterführung zweier schon existierender Bunde, dem Noahbund und dem Abrahambund. 

Im Buch Genesis werden die ersten beiden Bunde beschrieben. Den ersten Bund, hat Gott mit Noah (und seinen Nachkommen) nach der Sintflut geschlossen. Hier verspricht Gott, dass er keine neue Sintflut schicken wird, um die Erde erneut zu verderben. Als Zeichen des Bundes, so steht es geschrieben, hat Gott den Regenbogen geschaffen.

Der zweite Bund ist der sogenannte Abrahambund. Mit diesem Bund verspricht Gott Abraham, dass dieser viele Kinder, Enkel und Urenkel bekommen wird und dass seine Nachkommen einmal das Gelobte Land erreichen werden. Im Gegenzug verlangt Gott von Abraham, dass die Menschen nur noch an ihn, den einen Gott glauben und seine Gebote stets befolgen, um so den anderen Völkern ein Vorbild zu sein.

Mit unserem heutigen Predigttext befinden wir uns vor dem 3. Bund zwischen Gott und den Menschen. In den nächsten Kapiteln wird Mose von Gott eine Reihe von Ge- und Verboten erhalten. Insgesamt werden es 613 Lebensregeln sein, an denen sich die Juden bis heute noch orientieren. Unter ihnen befinden sich auch die 10 Gebote, die für unseren christlichen Glauben und unser Leben eine große Rolle spielen.

Der Sinaibund, wie der dritte Bund auch genannt wird, ist ein besonderer. Gott geht nicht nur eine Beziehung mit einem einzelnen Menschen ein, wie er es zuvor mit Noah und Abraham getan hat. Sondern Gott möchte diesen Bund mit einem ganzen Volk, mit „seinem auserwählten Volk“, eingehen.

Liebe Gemeinde,

lassen Sie uns einen Moment innehalten. Versuchen Sie sich einmal daran zu erinnern, welchen Bund Sie im Leben eingegangen sind. War es immer einfach diesen Bund, dieses Versprechen, zu halten? Gab es vielleicht Momente, wo Ihnen Zweifel kamen? Oder sie sich bewusst gegen den Bund, gegen das Versprechen entschieden haben?

Ich kann ihnen sagen, dass ich schon so manchen Zweifel hatte. An Gott, den Menschen und an mir selbst gleichermaßen. Und gibt es nicht auch ein Sprichwort das heißt: „Regeln sind da, um gebrochen zu werden?“ So oder so ähnlich werden die Israeliten damals auch gedacht haben, denn sie waren nicht immer ganz Gehorsam.

Hier mal ein goldenes Kalb, dort der Wunsch zurück nach Ägypten zu gehen, weil es dort vermeintlich einfacher war.

Ich bin ehrlich, ich kann das zu 100% nachvollziehen, denn ich hatte auch schon solche Phasen. Phasen, in denen ich meine Entscheidungen und mein Tun hinterfragt habe. Phasen, in denen ich mir nicht immer ganz sicher war, dass ich das richtige getan habe. Und wo ich mich gefragt habe, „was wäre wenn ich dieses und jenes Mal doch anders entschieden hätte?“

Aber was hat das Ganze jetzt mit der Verbundenheit von Christen und Juden zu tun?

Hierfür überspringe ich den 4. Bund von Gott mit dem Volk Israel, als sie das Gelobte Land nach 40 Jahren endlich erreicht hatten und gehe direkt zu dem Bund, der für uns Christen so wichtig ist: der sogenannte Neue Bund.

Durch Jesu Tod am Kreuz und seine Auferstehung trat dieser besondere Bund in Kraft. 

Das Besondere ist, dass dieser Bund nicht nur mit einer Einzelperson oder dem Volk Israel geschlossen wurde, nein, sondern dass alle Völker, also jeder Mensch auf der Erde, diesen Bund eingehen kann. Hier fängt für uns Christen die Verbundenheit mit den Juden an. Hier beginnt das Wir. Jesus hat den Bund, den Gott mit Israel geschlossen hat, auf uns erweitert. Dadurch kann jeder und jede Einzelne von uns dieselbe Freiheit zu einem erfüllten Leben und einem Leben in Geborgenheit genießen, als wären wir damals selbst am Fuße des Bergs Sinai gewesen.

 

 

Diese neue Freiheit bindet uns aber auch an Regeln, Ge- und Verbote. In Markus 12, dem heutigen Evangeliumstext, haben wir Jesus vom Doppelgebot der Liebe reden hören.

Das wichtigste Gebot ist dieses: Höre, Israel: Der Herr ist unser Gott, der Herr allein!

Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele, mit deinem ganzen Denken und mit deiner ganzen Kraft.

Und als Zweites kommt dieses dazu: Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst. Kein anderes Gebot ist wichtiger als diese beiden.

 

 

Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst. Diese Aufforderung ist für mich die Grundlage meines Tuns. Ich muss gestehen, es ist nicht immer leicht für mich meinen Gegenüber zu „lieben“, zu respektieren. Aber ich versuche mein bestes. Gerade in der heutigen Zeit ist es für uns Christen wichtig, dieses Gebot zu leben. 

Antisemitische und a1ntijudaistische Rhetorik waren in den letzten Wochen vermehrt zu hören, besonders auch in den Sozialen Medien. Auch rassistisch motivierte Taten sind vermehrt gemeldet worden. Nach der Niederlage der englischen Nationalmannschaft im Finale der Europameisterschaft am 11. Juli wurden viele Menschen mit schwarzer Hautfarbe verfolgt, beleidigt, verletzt und verantwortlich gemacht für die Niederlage. Und das nur, weil ein 23-jähriger, ein 21-jähriger und ein 19-jähriger schwarzer Fußballspieler ihre entscheidenden Elfmeter nicht getroffen haben. Dieses Verhalten ist traurig und abscheulich, wie ich finde.

Zum Glück gibt es aber auch eine Vielzahl an Menschen, die auf den Hass mit Liebe geantwortet haben. Ganz im Sinne des Doppelgebots der Liebe.

Liebe Gemeinde, 

Ich möchte Sie und Euch ermutigen das Gute im Menschen zu sehen und nach dem wichtigsten Gebot zu handeln und zu leben. Denn auch wir gehören zu Gottes Volk. Die Befreiung aus der Sklaverei und der Bund am Berg Sinai und die Gebote sind Teil auch unserer Glaubensgeschichte.

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus, unserem Bruder.

Amen.

Fürbitten

Gott im Himmel und auf Erden, wir sind in deinem Namen beisammen, wir wissen, dass Menschen zur im Frieden gut leben und wachsen können. Und dieser Friede muss auch von innen, in jedem Einzelnen beginnen.

Lass alle Menschen erkennen, dass Hass und Konkurrenz den Frieden verhindern, und dass das Gewaltausüben zu neuer Gewalt wird.

Wir bitten dich für alle Menschen, die in politischer und gesellschaftlicher Verantwortung stehen. Gib ihnen weise Gedanken sich für die Völker einzusetzen und mögen sie nicht nur für die persönliche Macht und Einfluss arbeiten.

Gott, wir wollen auf deine Zusage vertrauen, dass du auf unserer Seite bist, wenn wir uns für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen. Hilf uns, damit dein Friede in der Welt Wirklichkeit werden kann.

Vater Unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme,

dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Segen

Gehet hin im Frieden des Herrn. – Gott sei ewiglich Dank.

Gott segne dich und behüte dich!

Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir

und sei dir gnädig.

Gott hebe sein Angesicht auf dich

und schenke dir Seinen Frieden.

Amen.